Chasingberichte 2015

Chasingbericht vom 13.05.2015 – Hey ab in den Süden, den Superzellen hinterher….

Während die Gewittersaison in Nordrhein-Westfalen noch nicht so richtig starten wollte, stellte sich für den 13.05.2015 eine durchaus gefährliche Lage für den den Süden Deutschlands ein. Südlich einer quasistationären Frontalzone floss bodennah eine feuchtwarme Luftmasse ein, welche für hohe potentielle Instabilität sorgte.
Letztere überlappte sich in dem Gebiet mit sehr hoher Dynamik in Form eines kräftigen Höhenwindes, sodass sich folgerichtig hohe Werte der Scherung einstellen sollten. Bei einer Auslöse hatte jede Zelle das Potential sich zu einer langlebigen Mesozyklone zu entwickeln, mit der Hauptgefahr vor großem Hagel sowie im späterem Verlauf, aufgrund der erhöhten Scherung, eines oder mehreren Tornados. Aus Sicht eines Sturmjägers war es eine so interessante Lage, dass wir beschlossen die Reise auf uns zu nehmen. An dieser Stelle verweisen wir auch noch einmal auf unseren Convective Outlook von diesem Tag.

So trafen sich Armin, Patrick und Matthias gegen Mittag in Bonn und fuhren in Richtung Süden. Man peilte dabei zunächst Karlsruhe an. Von hier hatte man die Möglichkeit sich weiter nach Süden in Richtung Dreiländereck zu verlagern oder doch nach Osten Richtung Schwäbische Alb zu fahren.
Derweil wurde während der Fahrt eifrig über den Tornadofall in Bützow vom 05.05.2015 diskutiert. Leider muss man feststellen, dass in vielen Fällen die mediale Berichterstattung mit aller Macht der Seriösität „trotzt“. Es ist doch sehr verwunderlich, dass man nie von einem Mini-Unfall oder einem Mini-Feuer liest, aber sehr wohl von einem Mini-Tornado?! Hier ist definitiv noch Aufklärungsbedarf vorhanden. (mehr …)

Chasingbericht 29.03.2015

Saisonstart geglückt

Am 29.03.2015 sollte es also endlich wieder losgehen. Das Frontensystem von Tief Mike sollte von Nordwesten her Deutschland überqueren und dabei einiges an Niederschlägen bringen, aber vor allem ordentlich Wind im Gepäck haben.

Interessant wurde die Lage vor allem aufgrund der dynamischen Gegebenheiten. Die Position des Jetstream´s und die gute Überlappung anderer Parameter wie Scherung, Feuchte und Hebung in Form der eintreffenden Kaltfront sorgten dafür, dass die geringen Werte der vorhanden potentiellen Energie (Cape-Werte um 100-200 J/KG ) zweitrangig wurden.

Die Hauptgefahr an diesem Tag lag dabei eindeutig bei den hohen Windgeschwindigkeiten, da an der Kaltfront, besonders bei eingelagerten Bow-echos , der markante Low-Level-Jet, durch konvektive Impulse bis auf den Boden heruntergemischt werden könnte und somit orkanartige Böen möglich wären.

Darum entschieden wir uns dazu, für diesen Tag ein Convective Outlook mit einem Severe Threat 1 herauszugeben. Außerdem entschloss sich das Team Niederrhein dazu, die Ausrüstung zusammen zu packen und sich zum ersten Chasing der Saison 2015 zu treffen. Zwangsläufig stellte sich bei uns natürlich auch die Frage, wie wir selbst aus der Winterpause starten würden?

Wie funktionieren unsere Abläufe, funktioniert die Ausrüstung und bringt die Lage das, was man sich von ihr erhofft?

Aber es sollte sich schnell herausstellen, dass unsere akribische Vorbereitung sich gelohnt hat und alles reibungsfrei ablief. Zum Abfangen der Kaltfront machte man sich auf den Weg in den Nordwesten unseres Bundeslandes und entschied sich dafür, die Region um Kevelaer/Weeze anzufahren. Auf dem Weg dorthin behielt man die sehr schnell voranschreitende Kaltfront über das Radar ständig im Auge und konnte erkennen, dass die Blitzfrequenz kurz vor der Deutschen Grenze schnell anstieg. So positionierten wir uns etwas südlich von Weeze auf einem kleinen Feldweg.

Bildquelle: www.wetteronline.de

 

Kurz darauf erreichte uns bereits die eingelagerte Böenfront, wobei der vorläufige Regen und die einsetzende Dämmerung das Ablichten dieser schwer machten, sodass man Schutz im Auto suchte und sich überrollen ließ.

Dabei wurde man ordentlich durchgeschüttelt. Von uns gemessene Windgeschwindigkeiten um 90 km/h, kurzzeitiger aber heftiger Starkregen und kleinkörnigen Hagel um die 1cm demonstrierten die „Kraft“ der Front. Nach dem Durchzug konnte man sich trotz der schnellen Verlagerung der Kaltfront nochmals vor jene setzen und sich bei Meerbusch erneut positionieren. Allerdings musste man feststellen, dass die Begleiterscheinungen beim zweiten Durchzug lang nicht so heftig ausfielen wie noch beim ersten Mal, wobei auch die Blitzfrequenz nun bereits stark abgeebbt war.

Bildquelle: www.wetteronline.de

 

So konnte man dennoch sehr zufrieden das erste Chasing der Saison 2015 beenden.

Zusammenfassend muss man aber noch festhalten, dass man froh sein kann, dass die Vegetation noch nicht belaubt war, da sich ansonsten sicherlich ein deutlicher größeres Schadensbild abgezeichnet hätte.

Ansonsten lässt sich noch sagen: So kann es weitergehen, stay safe and never stop chasing.

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