Convective Outlooks 2012

Convective Outlook 27.07.2012

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 27.07.2012, 06Uhr UTC
bis:   28.07.2012, 06Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Weite Teile Mitteleuropas befinden sich unter einem schmalen Höhenrücken in einer näherungsweise barotropen Atomsphäre. In 850 hPa verläuft die 15-Grad-Isotherme von Nordfrankreich über Mitteldeutschland bis nach Polen. In Bodennähe konnten daher recht verbreitet mehr als 30°C gemessen werden.

Zum Freitag verkleinert der Rücken seine Amplitude und verlagert sich langsam nach Osten. Indes rückt ein Langwellentrog über dem Ostatlantik ins Augenmerk. Die trogvorderseitig befindliche Tiefdruckrinne kann am Freitag schrittweise Einfluss auf den Vorhersagebereich nehmen, sodass die Strömung zyklonal wird. In der potentiell instabilen Luftmasse nimmt daher die Gewitterbereitschaft zu.

 

Mesoskalige Diskussion

Im Mesoscale entpuppt sich die Vorhersage der Wetterlage als sehr schwierig. Die in der Tiefdruckrinne eingelagerte Kaltfront bzw. Konvergenz besitzt eine starke Neigung und hat Anacharakter, was Wellenbildungen an ihr begünstigt. Im Bodenwindfeld sind vor allem zum Abend viele Inhomogenitäten und flache Tiefs zu erkennen, die eine eindeutige Prognose für etwaige Gewitter deutlich erschweren. Relativ sicher scheint dagegen der allgemein hohe Labilitätsgrad der Luftmasse, wie die Prognose-Temps von HIRLAM verdeutlichen.

Demnach sind bei einer feuchtlabilen Mid-Layer (500 hPa-Lapse-Rates bis 20 K) verbreitet 800-1000, lokal 1200 Joule ML-CAPE denkbar.

Eine zunächst noch präsente „Capping-Inversion“ sollte jegliche Konvektion zunächst unterdrücken. Erst zum Spätnachmittag/Abend, wenn der Deckel ausreichend gehoben wurde, kann sich, vor allem orographsich bedingt, hochbasige Konvektion entwickeln.

Auch vom nördlichen Emsland bis nach Ostfriedland sind an einem flachen Tief lokale Zellentwicklungen zu erwarten.

Hier forcieren schwache PVA-Felder zusätzlich den Hebungsantrieb.

Nach einem Abnehmen der konvektiven Aktivität nach Sonnenuntergang, ist im Laufe der Nacht mit Annäherung eines Randtrogs von Westen her erneut mit Gewittern zu rechnen. Zunehmende Scherung garantiert dann ein längeres Überleben der einzelnen Zellen, die sich verclustern und einen MCS formen können. Genaueres dazu in den Regionalisierungen.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Nordwestdeutschland (Emsland/Ostfriesland)

Auslöseindikator / Zellmodus: Bodentief / meist gruppig

Wenngleich feinmaschige Modelle wie WRF-HighRes für diese Region keine Konvektion berechnen, so scheinen Gewitter hier jedoch recht wahrscheinlich. Auslöseindikator ist, wie oben erwähnt, ein Bodentief, das sich an einer Konfluenzzone gebildet hat. Außerdem sind Scherungswerte aufgrund der etwas günstigeren Lage zum Trog (als die südlichen Gebiete) leicht erhöht bis moderat (Bulkshear: 15 m/s), sodass 1 oder 2 gut organisierte Multizellen denkbar sind.

Bei CAPE-Werten um 1000 J/kg und hohen Mid-Level-Lapse-Rates liegt dann die Hauptgefahr bei Großhagel. Aufgrund des allgemein hohen LCLs sind zudem lokale, trockene Downbursts nicht auszuschließen. Die konvektive Aktivität nimmt nach Sonnenuntergang ab.

Bergländer West- und Südwestdeutschlands (Eifel, Hunsrück, Sauerland, Weserbergland, Schwarzwald)

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie / meist gruppig

Gegen Abend können sich orographisch bedingt Konvektionszellen entwickeln, die lokal Großhagel produzieren können. Überadiabatische AGL-Lapse-Rates (~12k) und ein hohes LCL lassen außerdem lokal trockene Downbursts vermuten.

Westdeutschland (nach 00z des Folgetages)

Auslöseindikator / Zellmodus: Kurzwellentrog / gruppig, MCS

Einige Modelle berechnen für die Nacht zum Samstag einen MCS über dem Vorhersagegebiet,der auf einen von Westen durchschwenkenden Sekundärtrog zurückzuführen ist.

An ihm wird die Kaltfront reaktiviert und ist dann mehr dynamischen als thermischen Prozessen unterlegen. Entkoppelte Konvektion über Nordfrankreich könnte sich rasch verclustern und ein Cluster gut organisierter Konvektion formen. Je nach Zugbahn wären entweder Nordfrankreich und BENELUX oder Nordfrankreich und Südwestdeutschland betroffen. Viel hängt von der Zugbahn der Kurzwelle ab.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Obschon die Gesamtlage von den operationellen Modellen als konsistent berechnet wird, finden sich wie so oft im Mesoscale noch große Differenzen. Diese beziehen sich primär auf den eventuellen MCS in der Nacht zum Samstag. Die Vergangenheit hat gelehrt, dass solche konvektiven Systeme nur sehr schwer vorherzusagen sind.

Im Moment denken wir, dass ein Severe-Threat 1 der Gesamtsituation gerecht wird. Die 50- Prozentlinie wurde sicherlich zu großzügig eingezeichnet – sie soll jedoch vor allem die Gebiete mit höherer Gewitterbereitschaft von denen mit eher niedrigem Gewitterpotential abgrenzen. Die 50% sind also nicht wörtlich zu nehmen.

Aufgrund der erwähnten Unsicherheiten behalten wir uns die die Option auf ein Update vor.

Convective Outlook 05.07.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 05.07.2012, 06Uhr UTC
bis:   06.07.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Eine nicht ganz eindeutige, jedoch nicht zu verleugnende Omega-Lage ist für weite Teile Europas wetterbestimmend. Die dadurch resultierende „Blocking-Action“ verlangsamt die Westwinddrift und sorgt für meridionales Austrogen über dem Atlantik, welches in einem Cut-Off-Prozess mündet.

Das resultierende eigenständige Höhentief bleibt auch in den nächsten Tagen quasi-stationär, wobei sich Mitteleuropa auf seiner Vorderseite befindet. In einer schwachgradientigen Atmosphäre bestimmen mehr diabatische denn advektive Vorgänge das Geschehen. Da die Isohypsenkrümmung im allgemeinen jedoch zyklonal ist, kann tagesbedingte Konvektion nicht unterdrückt werden.

 

Mesoskalige Diskussion

Schwacher antizyklonaler Einfluss sorgte heute für allgemein ruhiges Wetter, obschon einzelne Gewitterzellen in Alpennähe nicht „verhindert“ werden konnten. Gegenwärtige Satellitenbilder lassen außerdem über Frankreich eine labile Luftmasse vermuten, da auch hier Konvektion aktiv ist. Die 12z Soundings bestätigen den Verdacht mit rund 1000 SB-CAPE (Konvektion ist grundschichtabhängig).

Nach einem nächtlichen Abebben der Konvektion ist morgen bereits ab den Mittagsstunden mit der Ausbildung neuer Cbs zu rechnen, wobei sich die Hauptaktivität weiter nach Osten verlagert.

Primär der Westen und Südwesten Deutschlands sollte dabei im Vordergrund liegen. Da die CTs von rund 25 °C nahezu überall erreicht werden, ist wie auch heute verbreitet mit thermischer Auslösung zu rechnen, wobei den Zellen rund 1500 CAPE zur Verfügung stehen.

Zyklonale Isolinien in allen Schichten und tiefdruckrinnenartige Strukturen im Bodendruckfeld versprechen außerdem kaum konvektionshemmende Absinkinversionen.

Bezüglich der atmosphärischen Kinematik lassen sich kaum Indizien für organisierte und langlebige Konvektion finden (SRH nahe 0, DLS allenfalls 12 m/s). Auch der schwache Deckel spricht eher für gemächliche und weniger explosive Zellentwicklungen.

Lediglich über Be-Ne-Lux und Ostfrankreich forciert eine Bodenkonvergenz die Vertikalbewegung, sodass hier zusätzliche Antriebsparameter „anspringen“.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Be-Ne-Lux, Nordostfrankreich, (Süd-)Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Thermik, Orographie, später Konvergenz / meist gruppig

Trotz geringer Dynamik scheint diese Region für stärkere Entwicklungen begünstigt. Die Nähe zum Tief/ Trog, maximale Labilität, PW-Werte von mehr als 35 kg/m² sowie eine recht aktive Bodenkonvergenz begünstigen Impuls- sowie Multizellen, in denen die Hauptgefahr bei Hagel liegen dürfte. In erster Linie in den Mittelgebirgsregionen, sowie direkt an der aktivsten Stelle der Konvergenz ist auch größerer Hagel bis 4 cm denkbar. Hier wurde eine 15% Linie eingezeichnet.

Außerdem werden sich die Zellen aufgrund der schwachen Oberwinde nur langsam verlagern.

Örtlich sind dabei Training-Effekte möglich. Als Konsequenz sollte auch Starkregen (lokal mehr als 30 Liter in kurzer Zeit) als Gefahr erwähnt werden. Nach Sonnenuntergang ist mit einem raschen Abklingen der konvektiven Aktivität zu rechnen.

Restliche Regionen des Severe-Threat 1

Auslöseindikator / Zellmodus: Thermik, Orographie / meist gruppig

Auch sonst ist mit Erreichen der Auslösetemperatur mit hochreichender Konvektion zu rechnen, wobei das Unwetterpotential ein wenig geringer ist, als über den o.g. Gebieten, da eine Konvergenz als zusätzlicher Hebungsimpuls wegfällt.

Ein Severe Threat 1 (5%) besteht dennoch vor kleinem bis mittelgroßem Hagel (Bergregionen) sowie markantem Starkregen in langsamen Zellen und sich retrograd fortpflanzenden Zellen.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Globalmodelle rechnen im allgemeinen deckungsgleich. Mesoskalige Modelle wie UKMO NAE und WRF berechnen in der Nacht zum Freitag einen von Frankreich über Belgien wandernden MCS, der aber nicht mit in die Warnkarten eingeflossen ist. Wir denken, dass dynamische Hebung sowie Scherung zu gering sind, um ein solches System am Leben zu erhalten. Sollten sich die Modellberechnungen im Nowcastbereich dennoch bewahrheiten, wird ein Update erfolgen.

Convective Outlook 28.06.2012

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 28.06.2012, 06Uhr UTC
bis:   29.06.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Eine schwach-gradientige Südwestlage bestimmt das Wetter in Mitteleuropa. Im 500-hpa-Feld verläuft eine mäandrierende Westströmung mit zwei Langwellentrögen über dem Ostatlantik und Westrussland, die einen flachen Höhenrücken flankieren. Letzterer befindet sich mit seiner Achse derzeit über Deutschland, sodass verbreitet Absinken herrscht. Eine schwache Warmfront über der Nordhälfte des Landes bleibt daher inaktiv und verlagert sich zunächst kaum.

Vorderseitig des westlich situierten Trogs verstärkt sich jedoch im der kommenden Nacht die WLA, wobei die 15°C-Isotherme bis morgen früh 6z eine Linie Calais-Eifel-Alpenrand erreicht.

Bedingt durch die Ostwärtsverlagerung des Trog-Keil-Musters nimmt der zyklonale Einfluss zu. Eine Kaltfront mit vorgelagerter Konvergenz nähert sich zum Nachmittag dem Vorhersagegebiet und löst eine Schwergewitterlage aus.

 

Mesoskalige Diskussion

Das 12z Sounding von Bordeaux zeigt eine markante EML ( ~700-500 hPa) und passend dazu 1,3 k CAPE sowie einen LI von -6. Mit Hilfe der Prognose für die Rückwärtstrajektorien für Morgen Mittag wird deutlich, dass sich diese hochreichend labile Luftmasse nach Osten bzw. Nordosten in Bewegung setzt. Mit zusätzlicher Einstrahlung sind daher 1-1,5, über Frankreich sogar 2 Kilo- Joule ML CAPE durchaus denkbar. Neben der indifferenten Mid-Layer profitieren die unteren Schichten zudem von kräftiger Feuchteadvketion, wobei der Energiegehalt der Luft durch hohe bis sehr hohe Theta-E Werte (>60°C) wiedergegeben wird.

Neben hoher Labilität sind in der Schichtungskurve des Bordeaux-Soundings jedoch auch mehrere Absinkinversionen auszumachen, die hochreichende Konvektion unterdrücken konnten. Ähnliches sollte sich zunächst auch morgen abspielen.

Oberhalb der EML sind außerdem mittelhohe bis hohe Wolkenfelder zu erwarten (aufgrund von Schichtdickenadvektion und leichter PVA), die anfangs in den nördlichen Niederlanden und Nordwestdeutschland noch von größerer Mächtigkeit sein können. Ab 15 z rechnen die Modelle dann über Frankreich und Belgien zunächst vereinzelte Konvektion, wobei fraglich ist, ob der Deckel dann schon überwunden bzw. gehoben werden kann. Thermische Auslösung scheint bei einer CT von bis zu 34 °C unwahrscheinlich. Wir rechnen daher erst Abends mit der Auslöse von Gewittern, wobei mehrere Faktoren eine Rolle spielen:

1. Druckabfall im Warmsektor durch „Überhitzung“ (lokal 30°C)

→ zyklonal gekrümmte Isobaren → Druckrog

2. Abbau des „Deckels“ durch beginnende Ausstrahlung

3. Präfrontale Feuchteflusskonvergenz

4. Positive Rückkopplung von Feuchtefusskonvergenz und Drucktrog

Druck fällt → Bodendruckfeld zyklonal → Konvergenz verstärkt sich → Druck fällt weiter usw.

5. Zunehmend zyklonal gekrümmt Isohypsen

Letzterer Punkt spielt jedoch kaum eine Rolle, da jeglicher Antrieb aus dem Bodendruckfeld erfolgen muss. Trotzdem sind besonders im Norden auch oberhalb der Grenzschicht leichte Trogstrukturen erkennbar, was auf eine flache Welle schließen lässt.

Nach Initiierung werden sich bevorzugt Multizellen entwickeln, aber auch superzellulare Konvektion ist insbesondere im Bereich des Severe Threat 2 möglich. Desweiteren besteht die Gefahr eines MCS, doch dazu mehr in den Regionalisierungen.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Teile der Niederlande, Belgiens und Westdeutschlands

Auslöseindikator / Zellmodus: Konvergenz (anfangs eventuell Orographie), meist gruppig

Hinsichtlich der hohen CAPE-Werte und der bereits erwähnten EML ist das Großhagelrisiko in dieser Region mit 20% deutlich erhöht. Wir rechnen weniger mit verbreiteten Hagelereignissen als viel mehr mit lokalem, jedoch dann bis zu 5 cm großem Hagel. Gleiches gilt bei linearen Starkwindereignissen, die aufgrund der schwachen Oberwinde eher selten auftreten dürften.

Trotzdem kann es in einem ausgeprägten Downdaft zu Downbursts durch Niederschlagslast kommen. Nach Sonnenuntergang werden sich die Zellen schnell verclustern. Die Modelle geben dabei Hinweise auf einen MCS über Westdeutschland. Im Mesoscale scheint diese Prognose auch plausibel, da folgende Zutaten gegeben sind:

1. Starke Helizität am Nordende des Warmsektors

Obwohl die Zone des „besten“ Hodographen (Veering) nicht den labilsten Bereich überdeckt, so stehen etwaiger Konvektion trotzdem noch rund 150-200 m²s² SRH zur Verfügung.

2. Scherung

Der Löwenanteil der Geschwindigkeitsscherung ist niedertroposphärisch zu finden. Hinzu kommt Ausstrahlung und damit die Ausbildung eines Grenzschichtjets. Er fungiert als eine Art „moisture-conveyor-belt“ also als „Feuchteförderband“ und begünstigt die Verclusterung.

3. Hohes Mischungsverhältnis sowie sehr hohe PW-Werte ( bis zu 45 kg/m²)

4. Flache Welle oberhalb der Grenzschicht (Okklusionspunkt)

Ein MCS scheint also durchaus denkbar. In seinem Einzugsgebiet ist mit Starkregen und (schweren) Sturmböen, besonders am Leading-Egde des Systems (Südende) auch mit Hagel zu rechnen. Das Tornadorisko ist mit 2% gering.

Restliche Regionen des Severe-Threat 1

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie / Konvergenz, meist gruppig

Auch weiter südlich sind Gewitter zu erwarten, die aber nicht so stark ausfallen wie weiter nördlich. Gleichwohl sind begründet durch die hohe Labilität lokal Unwetter möglich (besonders in den Mittelgebirgen) , wobei auch hier die Hauptgefahr bei Großhagel anzusiedeln ist.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Es existieren noch größere Unsicherheiten unter den Globalmodellen in puncto Timing und Auslöseintensität. Während GFS die Konvergenz bereits um 15z bis an die Grenze Westdeutschlands „vordringen“ lässt, ist z.B. GME etwas langsamer und belässt jegliche Konvektion über Belgien und Frankreich. Auch auf Lokalmodellebene scheint die Lage noch längt nicht in „trockenen Tüchern“. So orientiert sich WRF beispielsweise stark an GFS, während das britische Modell UKMO-NAE allgemein sehr zurückhaltend reagiert. Demnach soll die stärkste Konvektion weiter südlich zu finden sein. Auch Die COSMO Kette gibt eher wenig Konvektionssignale.

Trotzdem ist die Wetterlage allein von der berechneten Labilität als auch von der Dynamik her einen Severe-Threat 2 wert. Sollten die Modelle allgemein „zurückrudern“ kann jedoch ein Downgrade erfolgen.

Convective Outlook 21.06.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 21.06.2012, 06Uhr UTC
bis:   22.06.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Mitteleuropa befindet sich derzeit im Bereich einer quasistationären Luftmassengrenze. Sie trennt bodennahe labile Subtropikluft im Süden von kühlerer und stabil geschichteter maritim-polarer Luft im Norden. Entlang der resultierenden Tiefdruckrinne konnte sich tagsüber hochreichende Konvektion entwickeln, wie ein Blick auf das Satellitenbild verdeutlicht. Dabei ist aktuell besonders der Süden Deutschlands sowie Teile Tschechiens und Österreichs betroffen, wo sowohl die Alpen als auch ein kleiner Kurzwellentrog für zusätzliche Hebungsimpulse sorgen.

Vor einem sich vom Atlantik nähernden Langwellentrog dreht die Strömung zurück und es setzt seichte Schichtdickenadvektion ein. Da der Prozess unter Absinken stattfindet wird sich die Aufgleitbewölkung jedoch in Grenzen halten. Morgen verlagert sich der Trog nach Großbritannien und bildet dann mit einem weiteren Gebiet niedrigen Geopotentials ein dipolartiges Höhentief.

Eine schwache Bodenzyklone mit korrelierendem Frontensystem greift hierbei auf das Vorhersagegebiet über.

 

Mesoskalige Diskussion

Bereits jetzt „schleift“ die besagte Bodenfront an der europäischen Westküste entlang. Präfrontal konnten sich einzelne schwache Gewitter entwickeln. Der Warmsektor überdeckt bis morgen Mittag den gesamten Warnbereich, wobei die 10-Grad Isotherme bis zur Nordseeküste vorstößt. Bei Theta E-Werten um 50°C setzt außerdem Feuchteadvektion ein. Die Taupunkte steigen unmittelbar vor der Front auf Werte von rund 16°C in Westdeutschland und bis zu 20 °C über Frankreich. Bei zunehmend labiler Schichtung ergibt sich ein mehr und minder schmaler Korridor mit 800 bis 1200 Joule ML-CAPE. Jegliche Konvektion wird (bis auf vorgelagerte orographische Auslösung) an der Front entstehen, da die Hebung hier aufgrund der konfluenten Bodenströmung am stärksten ist.

Nach Norden kommt, bedingt durch einen flachen Randtrog, außerdem noch kräftige PVA hinzu.

Bei moderater DLS (15-20 m/s) und rechtsdrehender Höhenströmung (Veering) sollte es ab dem Mittag über Frankreich und Belgien zur Entstehung einiger Gewitterzellen kommen. Sie werden sich an der Front orientieren und am Abend Westdeutschland erfassen. Es sind Unwetter zu erwarten.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Südbelgien, Nordfrankreich

Auslöseindikator / Zellmodus: Kaltfront / einzeln und gruppig, später linear.

Bis zu 1200 CAPE, Delta-Theta-E von rund 15 K und hohe Lapse-Rates sind ein Indiz für eine ausgeprägte eine EML, sodass die Zellen besonders in ihrer Entstehungsphase hochreichende Aufwinde entwickeln können. Gepaart mit frontaler Dynamik kann auch die ein oder andere Mesozyklone nicht ausgeschlossen werden. Der Gefahrenfokus liegt somit bei Großhagel, was die 15%-Linie erklärt. Ob tatsächlich eine EML vorhanden ist, kann jedoch erst durch Radiosonden- aufstiege ermittelt werden.

Weiter Richtung Süden ist bei ähnlich viel CAPE weniger Forcing vorhanden. Trotzdem ist auch hier das Großhagelrisiko (besonders in Bergregionen) erhöht.

Nordbelgien, Teile von den Niederlanden, (Nord-)Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Kaltfront, linear

Nach ihrer Entstehung wird sich die Konvektion entlang der Kaltfront linienartig organisieren und nach (Nord)Osten vorankommen. Gegen 18z sollte sie die Westgrenze Deutschlands erreichen. Hier ist weniger mit Hagel, jedoch mit linearen Starkwindereignissen in Form von einzelnen Downbrusts zu rechnen. 0-3 km SRH von rund 150 J/kg, sowie ein absinkendes Kondensationsniveau bilden zudem gute Voraussetzungen für Tornados. Ein weiteres Argument für die Entstehung von Großtromben liegt in der abendlichen Stabilisierung der Grenzschicht, was den vertikalen Austausch abschwächt und somit die LLS erhöht (12 m/s). Die 5%-Tornadowahrscheinlichkeit sollte demnach gerechtfertigt sein.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Modelle simulieren die Situation im synoptischen Scale einheitlich. Nur die Geschwindigkeit der Kaltfront wird leicht unterschiedlich simuliert.

Ein Severe-Threat 1 wird für ausreichend gehalten. Mit Updates ist nicht zu rechnen.

Convective Outlook 07.06.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 07.06.2012, 06Uhr UTC
bis:   08.06.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Ein abgeschlossenes Höhentief mit Kern über dem Nordmeer prägt das Wetter in Mitteleuropa. Während heute ein negativ geneigter Sekundärtrog samt Bodenfront vorübergehend maritim polare Luftmassen herangeführt hat, kommt es stromaufwärts zu einer erneuten, deutlich schärferen Austrogung. Dabei wird das genannte Höhentief schrittweise „meridionalisiert“. Trogvorderseitig konnte sich eine kräftige Zyklone entwickeln, welche sich um 00UTC mit einem Kerndruck von 990 hPa südlich der irischen Küste befindet. Als Konsequenz dreht die Strömung über Frankreich, BENELUX und Westdeutschland rasch zurück und von Südwesten setzt WLA ein. Aktuelle Satellitenbilder zeigen die „Daria“ vor dem Europäischen Festland. Erste Cirrus-Felder des WCB erfassen bereits Frankreich.

Am Donnerstag verlagern sich Trog und Tief (unter weiterer Vertiefung auf rund 980 hPa) nach Nordosten. Im Bodenfeld kommt die Kaltfront beschleunigt nach Osten voran und erfasst ab dem Nachmittag den Vorhersagebereich. Unwetterartige Gewitter sind die Folge.

 

Mesoskalige Diskussion

GFS und WRF zeigen morgen Vormittag vor allem von Frankreich bis Nordwestdeutschland ausgedehnte mittelhohe Wolkenfelder, die auf WLA zurückzuführen sind. Anfangs sind dabei nach Norden leichte Niederschläge zu erwarten. Mit Ankunft der „Spanish Plume“, sowie einer möglichen EML (siehe Trakjektorien zur Herkunft der Luftmasse) kann es vom Zentralmassiv bis nach Baden jedoch zumindest gebietsweise auflockern. Am Alpenrand spielen zudem Föhneffekte eine Rolle. Die 850er Temperatur steigt unterdessen auf bis 15 °C an, wobei die 10-Grad-Isotherme bis auf eine Linie Eifel – Frankfurt vorankommt.

Ferner lässt Feuchteadvektion in der Grenzschicht den Energiegehalt der Luft stark ansteigen, wie am Mischungsverhältnis und der äquivalentpotentiellen Temperatur zu erkennen ist. Besonders ins Auge fallen Teile Frankreichs, wo Theta-E Werte bis zu 60°C bei einem Mischungsverhältnis von 12 g/kg simuliert werden. Gedeckelt durch eine leichte Absinkinversion und die angesprochene EML sollte etwaige Konvektion anfangs unterdrückt werden. Trotzdem wird die Schichtung in dieser Region zunehmend labil, wie durch CAPE Werte von bis zu 1500 J/kg und KO-Indices bis -12 zum Ausdruck gebracht wird. Weiter nördlich ist CAPE mit 300-700 Joule deutlich niedriger. Mit Eintreffen der Kaltfront am Nachmittag lassen sich nun mehrere Entwicklungen beobachten und ableiten.

Am diffluenten Ausgang eines kräftigen Jetstreaks, sowie vor einem seichten Kurzwellentrog simulieren die Modelle deutliche Hebungsvorgänge durch positive differentielle Vorticityadvektion. Resultierende Vorticityproduktion in Bodennähe formt einen Drucktrog (diabatische Effekte spielen auch eine Rolle), der sich von Süd nach Nord verlagert. Wenngleich er keine geschlossene Zirkulation ausbildet, wirkt er trotzdem frontogenetisch., da ein hoher isallobarischer Gradient hervorgerufen wird (Stichwort: Drucktendenzen). Als Folge verstärkt sich die frontale Querzirkulation, wodurch die Front nach (Nord-)Osten beschleunigt. Lediglich entlang der Alpen wird sie quasistationär.

Aufgrund der kräftigen Oberwinde erhöht sich bereits im Warmsektor die Dynamik. Mit Näherung der Front erreicht die 0-6 km Bulk-Shear Werte von 23 bis knapp 30 m/s. Bei gleichzeitiger Rechtsdrehung des Windes mit der Höhe liegt Veering vor. Primär über den Gebieten mit viel CAPE ist also organisierte Konvektion zu erwarten. Allgemein sollte der Großteil der Konvektion an der Kaltfront selber entstehen. Allenfalls den Drucktrog kann man als Konvergenz interpretieren, die dann aber ohnehin als Kaltfront fungieren würde.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Ostfrankreich, Nordwestschweiz, Südwestdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Kaltfront, Orographie

In dieser Region sind morgen die höchsten Labilitätswerte-Werte vorzufinden. Einen nicht unerheblichen Teil trägt dazu die hier gut ausgeprägte EML bei. Geht man nach WRF, so sind 1,5 kJ ML-CAPE durchaus vertretbar. Gepaart mit starker niedertroposphärischer, hochreichender Windscherung und Helizität bis zu 250 m²/s², ist ab dem Nachmittag nach Überwindung von CINH mit hochreichender Feuchtekonvektion zu rechnen. Erste Gewitter können auch etwas früher an den üblichen orographischen Hotspots entstehen. Jegliche Einzelzellen haben in dieser Umbegung das Potential einen rotierenden Aufwind zu entwickeln. Auch langlebige (mehrere Stunden), blitzintensive Superzellen sind zu erwarten. Vorzugsweise in ihrer Entstehungsphase bergen sie ein hohes Potential für Großhagel. Auch sehr großer Hagel bis 7 cm kann ganz lokal nicht ausgeschlossen werden. Hier sollte vor allem Schwarzwald, Vogesen und die Bodenseeregion genannt werden. An letzterem Ort besteht auch die Gefahr von „Druckwellen“, wobei starke Downbursts möglich wären.
Gegen Abend, wenn sich das LCL absenkt steigt besonders in Superzellen die Gefahr von Tornados (hügelige Regionen bevorzugt), auch weil die LLS mit bis zu 17 m/s beachtlich hoch ist. Höher als 5 % wurde das Risiko jedoch nicht angesetzt, da LL-CAPE zu niedrig simuliert wird.

Im weiteren Verlauf werden sich die Zellen verclustern, sich linienartig organisieren und ggf. als Squalline nach Südwestdeutschland ziehen. An der Alpenwestseite, wo die Front zum Schleifen kommt, werden intensive konvektive Niederschläge für wahrscheinlich gehalten (PW-Werte bis 35 kg/m²). Dabei sind Flash-Floods denkbar.

Alles in allem scheint ein Severe-Threat 2 für diese Region also mehr als angemessen.

Frankreich, BE-NE-LUX, (Nord-)Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Kaltfront, Orographie

Besonders WRF sieht eine weiteren Gefahrenherd über Belgien und Westdeutschland, wenn die „Plume“ weiter nach Norden vorstößt und gleichzeitig die Dynamik zunimmt. Dann wird bei moderatem QG-Forcing und starker Scherung ebenfalls Konvektion vermutet, die wie auch im Süden Mesozyklonen ausbauen kann. Vollends scheint das TOTAL-Severe-Potential jedoch nicht größer als 10% zu sein, besonders weil die stärkste Hebung erst nach Sonnenuntergang „geproggt“ wird. Damit ist das Großhagelrisko deutlich gedämpft. Auch gibt es noch einige Unsicherheiten in Bezug auf die Labilität, die aber im kommenden Abschnitt diskutiert werden.

Im Moment wird ein Severe-Threat 1 für dieses Areal für ausreichend gehalten.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Als Basis dieser Vorhersage dienten die 12z-Läufe von GFS, ECMWF, GME, WRF, Janek WRF sowie der HIRLAM Prognose Temps. Die Globalmodelle simulieren die Großwetterlage einheitlich und ohne nennenswerte Unterschiede. Im mesoskaligen Bereich finden sich jedoch größere Diskrepanzen, besonders in Bezug auf Labilität und die Verteilung der Niederschläge. Es ist nicht sicher wie weit die subtropische Luftmasse bis zum Abend nach Norden vorstoßen kann. Außerdem gibt es Unsicherheiten hinsichtlich der o.g. WLA-Bewölkung in der „Mid-Layer“. Derzeitige Satellitenbilder zeigen einen weit gefächerten Cirrenschirm, sowie einige schwache Hebungsfelder vor dem Tief. Sie könnten besonders im Norden die Einstrahlung deutlich eindämmen. Desweiteren spielt die Krümmung des Bodentrogs eine wichtige Rolle in Hinblick auf Helizitätswerte und damit auch auf das Tornadopotential weiter nördlich.

Besonders über Frankreich, der Schweiz und Südwestdeutschland scheint die Lage jedoch mehr oder minder in „trockenen Tüchern“ und wird von allen Modellen bis auf einen Fehler von +- 300 CAPE deckungsgleich berechnet.

Sollte sich in den kommenden Modellläufen oder morgen in der Nowcast jedoch noch etwas ändern, kann ein Update erfolgen.

 


Update

 

Der 00er WRF sowie der 6er GFS Lauf, lassen die Labilität weiter nach Norden vorstoßen, als die Vorläufe. Gegenwärtige Satellitenbilder zeigen zudem weniger Bewölkung als angenommen wurde.

Obwohl noch gewisse Unsicherheiten bestehen, kann davon ausgegangen werden, dass zusätzlich zu den südlichen Gebieten (Ostfrankreich, Schweiz, Baden-Würtemberg) noch RLP, Belgien, sowie der südwestliche Teil von NRW von schweren Gewittern betroffen sein werden. Hinzu kommt, dass GFS über den Niederlanden und dem westlichen NRW um 18z markante PVA in 300 hPa berechnet.

Wir gehen davon aus, dass sich erste grundschicht-entkoppelte Konvektion, die bereits über Frankreich aktiv ist, verstärkt und sich progressiv nordostwärts verlagert. Aufgrund von radialsymmetrischen Feuchtekonvergenz- und Vertikalbewegungsstrukturen (Janek WRF) ist ab dem späteren Nachmittag mit der Ausbildung eines MCS zu rechnen, der sich nach Westdeutschland verlagert. Hierbei bestehen Unsicherheiten hinsichtlich der genauen Zugbahn. Innerhalb dieses Systems liegt die Hauptgefahr bei linearen Starkwindereignissen sowie Großhagel ( besonders am „Leading-Edge“). Auch unwetterartiger Starkregen ist möglich. Da GFS zudem die LLS weiter heraufgesetzt hat, ist der 5%-Bereich für Tornadopotential weiter nach Norden expandiert.

Mit weiterer Ostverlagerung schwächt sich das System ab. Es muss aber weiterhin mit lokalen Flash-Floods und Downbursts gerechnet werden.

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