Convective Outlooks 2012

Convective Outlook 20.05.2012

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 20.05.2012, 06Uhr UTC

bis:   21.05.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Mitteleuropa liegt weiterhin vorderseitig eines abgeschlossenen Höhentief bei Portugal und Spanien in einer schwach-gradientigen südlichen Höhenströmung. Im Bodendruckfeld finden sich schwache rinnen- bzw. trogartige, zyklonale Strukturen, die mehr von thermischen als dynamischen Prozessen am „Leben“ gehalten werden. In der advehierten potentiell instabilen Luftmasse kommt er dabei verbreitet zu Konvektion.

 

Mesoskalige Diskussion

Diabatische Effekte, steile Lapse-Rates sowie hohe Grundschichtfeuchte (Taupunkte aktuell verbreitet nahe 15 °C) sind der Garant für 500-800, lokal sogar 1000 Joule CAPE. Während gestern ein Höhenrücken verbreitete Konvektion unterdrücken konnte, sind heute in allen Höhenschichten zyklonal gekrümmte Isolinien vorzufinden, sodass die recht schwache Absinkinversion schnell überwunden wird.

Die Scherungswerte sind weiterhin eher schwach (9-12 m/s), nur Richtung Süddeutschland zeigt sie gegen Abend erhöhte Werte (bis nahe 20 m/s). Etwaige Stürme sind also allgemein weniger gut oranganisiert, Ausnahmen sind bei den Regionalisierungen erwähnt.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Teile von Ostfrankreich, Be-Ne-Lux, West- bzw. Süddeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie, Thermik, minimaler Kurzwellentrog

Aktuelle Radarbilder zeigen schwache Frühkonvektion über Teilen von Hessen und RLP, die sich in den kommenden Stunden abschwächen sollte. Nach einer kurzen Ruhephase zur Mittagszeit sind dann ab dem frühen Nachmittag recht verbreitet Gewitter zu erwarten. Sie können von NRW bis zum Schwarzwald durchaus besser organisiert sein. Allgemein gilt: Primär an den Mittelgebirgen, aber auch sonst ist mit Unwettern durch Starkregen (PWAT: 25 kg/m²) und großem Hagel zu rechnen. Lokal sind auch Sturmböen möglich, sie sollten jedoch eine Ausnahme bilden (schwache Oberwinde). Nach Sonnenuntergang ist mit einem Verclustern und schnellen Abschwächen der Konvektionszellen zu rechnen.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Modelle simulieren die Lage einheitlich und konsistent.

Convective Outlook 19.05.2012

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! UPDATE !

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 19.05.2012, 06Uhr UTC

bis:   20.05.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Bestimmend für die Wetterlage in Mitteleuropa ist weiterhin eine gestörte Westwinddrift, die meridionale Wetterlagen begünstigt. So kommt es vor dem europäischen Festland derzeit zu einer langwelligen Austrogung, die am Samstag in einem Cut-off-Prozess mündet. Im Bodendruckfeld manifestiert sich eine schwache Tiefdruckrinne, in deren Bereich feucht-warme, labile Luftmassen wetterwirksam sind. Gleichzeitig gerät der Vorhersagebereich schrittweise in zyklonalen Einfluss.

 

Mesoskalige Diskussion

Bereits am Freitag überquerte eine schwache Warmfront den Warnbereich von Südwest nach Nordost. Hinter ihr stiegen die Temperaturen im Vergleich zum Vortag um 3-4 °C an.

Zum Samstag verstärkt sich der zyklonale Einfluss weiter. Fortschreitende Erwärmung, sowie leichte Schichtdicken- bzw. Warmluftadvektion in den untersten Schichten sind der Grund für eine weitere Labilisierung, wobei die Auslösetemperaturen mit knapp über 20 °C ab dem frühen Nachmittag erreicht werden. Bis dahin sollten von Frankreich über Be-Ne-Lux bis nach West- und Mitteldeutschland 300 bis 500 J/kg Mixed-Layer-CAPE zur Verfügung stehen. Auch die Feuchtewerte zeigen im Vergleich zum Freitag einen Aufwärtstrend. So erreicht PWAT Beträge von 20-25 kg/m² und auch die Bodentaupunkte steigen proportional zur Temperatur an.

Bei Erreichen des CCLs sollte es zur Auslösung hochreichender Konvektion kommen. Schwache Dynamik und Windscherung sind ein Indiz für allgemein schlecht organisierte und sich langsam verlagernde Zellen.

Eine Ausnahme bildet die Region um Paris bzw. die Gebiete nördlich davon. Mehr dazu bei den Regionalisierungen.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Paris, Nord-Pas-de-Calais, ggf. West-Belgien

Auslöseindikator / Zellmodus: Kurzwelle , Thermik / gruppig

GFS und ganz besonders das Janek-WRF zeigen hier zum Samstagabend deutliche Niederschlagssignale. Ein Blick in die 500hPa-Karte zeigt einen flachen Randtrog, der die Region mit seinem Hebungsfeld von Süd nach Nord überquert. Leichte PVA begründet zusätzlichen Antrieb, sodass ein mesoskaliges System nicht unwahrscheinlich ist. Gestützt wird diese Vermutung durch hohe Helizitätswerte ( >150 J/kg) sowie ein konfluentes Bodenwindfeld. Vor allem an der Ostseite dieses Systems ist Konvektion zu erwarten, die im Vergleich zu anderen Zellen einen höheren Grad an Organisation aufweisen wird. Hier wären dann neben Starkregen und mittelgroßem Hagel in Ausnahmefällen auch Sturmböen denkbar. Als Reaktion auf das leicht erhöhte Unwetterpotential wurde ein Severe-Threat 1 eingezeichnet.

Restliche 50%-Region

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie, Thermik / gruppig

In der restlichen Region sind ab Nachmittag einzelne Gewitter zu erwarten, die aufgrund der erhöhten PW-Werte und der langsamen Zuggeschwindigkeit mit Starkregen einhergehen werden. Zusätzlich ist vor allem bei orographischer Triggerung kleiner Hagel möglich. Angesichts der fehlenden Dynamik ist jedoch nicht mit Unwettern zu rechnen.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Modelle simulieren die Lage eindeutig. Nur bezüglich des Randtrogs über Nordfrankreich gibt es bezüglich der Zugbahn und des Timings noch einige Unstimmigkeiten. Sollte sich eine markante Änderung ergeben, wird ein Update erfolgen.

 


Update

Ostfrankreich, Südwest-Deutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie, Thermik / meist gruppig

Die Warnung über Frankreich wurde aufgehoben. Die letzten Modellläufe zeigen hier keine Überlappung von Dynamik und Labiltät, wodurch auch die Niederschlagsprognosen deutlich verhaltener ausfallen.
Ein neuer Hotspot ergibt sich allerdings über Ostfrankreich bzw. Südwestdeutschland. Die advehierte „Plume“ macht sich hier in Form von rund 800 ML-CAPE bemerkbar. Außerdem fallen die Mid-Level-Lapse-Rates im Vergleich zu den Vorläufen höher aus, was auch einen Anstieg von Delta-Theta-E (auf 12K) zur Folge hat.

Schwache Geschwindkeits- aber moderate Richtungsscherung (Veering) lassen gut organisierte Multizellen vermuten. Auch eine Superzelle ist möglich. Besonders dann und generell an orographisch initiierten Zellen ist größerer Hagel zu erwarten. Das Tornadorisiko ist gering, jedoch kann vor allem in Regionen mit höherem Low-Level CAPE ein kleiner Wirbel nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Convective Outlook 10.05.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 10.05.2012, 06Uhr UTC
bis:   11.05.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Am östlichen Rande eines leicht deformierten Vierer-Druckfeldes mit einer „High-over-Low-Lage“ über dem Atlantik befindet sich Deutschland in einer Südwestströmung.

Der Jetstream verläuft ungewohnt weit südlich, wobei barokline Instabilität mehrere Wellenstörungen generieren konnte, die gemeinsam eine langgestreckte Tiefdruckzone bilden.

Mitteleuropa bleibt zunächst noch auf ihrer Vorderseite, sodass mit einer südwestlichen Grundströmung (siehe Rückwärtstrajektorien) feuchtlabile Subtropikluft herangeführt wird. In ihr kam es heute schon vereinzelt zur Auslösung kräftiger Konvektion.

Morgen verstärkt sich vor einer sich nähernden Zyklone die Warmluftadvektion, wobei die 10 °C Isotherme bis zum Nachmittag den gesamten Warnbereich überdeckt. Gleichzeitig rückt von Westen die Kaltfront des Tiefs heran , was einen Höhepunkt der konvektiven Aktivität zur Folge hat. Dabei ist verbreitet mit Unwettern zu rechnen.

 

 

Mesoskalige Diskussion

Derzeit befindet sich die angesprochene Zyklone mit einem Kerndruck von rund 1000 hPa unmittelbar südwestlich vor der irischen Küste. Bereits jetzt konnte sich eine hoch-reichend feuchte um bodennahe warme Luftmasse etablieren. Das Essen-Sounding von 12z zeigt rund 500 J CAPE bei einer fast durchgehend feucht-labilen Schichtung. Die in der Luft enthaltene Energie spiegelt sich auch in den angestiegenen Theta-E Werten (~40°C), sowie den hohen Bodentaupunkten wieder. Obwohl es sich dabei nicht um eine Loaded-Gun-Lage handelt (keine EML), ist die Luftmasse sehr energiereich und potentiell Gewitter-empfänglich. Verbunden mit zusätzlicher bodennaher WLA vor der Zyklone ist morgen mit 500-800 Joule Labilitätsenergie zu rechnen. Bereits Vormittags wird der Norden des Vorhersagegebietes von mittelhohen Wolken und skaligen Niederschlägen (durch WLA) überquert, die hier für deutliche niedrigere CAPE-Werte sorgen werden. Generell besteht wie immer eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Labilität. Dazu am Ende mehr.

Deutliche Brisanz erfährt die Situation am späten Nachmittag, wenn sich die Kaltfront des Tiefs nähert. Entgegen der gestrigen Modellläufe wird heute die Hauptwetteraktivität nicht direkt an der Front, sondern eher präfrontal entlang einer markanten Feuchteflusskonvergenz berechnet.

Obschon kaum QG-Forcing vorhanden ist, scheint die Bodenkonfluenz ausgeprägt genug, um für die nötigen Antrieb zu sorgen. Erstaunlich perfekt überlappt sich diese Hebungszone zudem mit beachtlichen SRH-Werten von bis zu 250 J/kg. Durch skaligen Regen hinter der Konvergenz und gering bewölktem Himmel vor ihr, wird zudem der Temperaturgradient entlang des Systems „Front-Konvergenz“ verstärkt, was die ageostrophische Sekundärzirkulation verstärken kann. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, dass der nicht konvektive Regen entlang einer sommerlichen Kaltfront von den Modellen meist überbewertet wird. Der Konjunktiv ist also nicht ohne Grund gewählt. Fakt ist dass es zwei „Hauptaktionsgebiete“ geben wird. Im Folgenden sollen diese genauer beziffert werden.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Nordwestdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: linienartig

Auffällig hohe Helizität und LLS (bis 18 m/s), gepaart mit frontaler Dynamik erhöht vor allem das Risiko für vertikalen Impulstransport in den Konvektionenszellen, die somit in der Lage sind markante Starkwinde hervorzubringen. Vor allem in linienartig orientierten Echos sind Böen bis Orkanstärke möglich. Allgemein ist die Luft hochreichend feucht geschichtet (PW bis 40mm), wodurch auch Downbursts durch Niederschlagslast nicht ausgeschlossen werden können.

Neben „Straight-Line-Winds“ besteht auch ein gewissen Tornadopotential, vor allem in rotierenden Nordenden von eventuellen „Bow-Echos“.

Das Hagelrisiko ist durch die allgemein niedrigeren CAPE-Werte sowie das hohe Wet-Bulb-Zero verhältnismäßig gering, jedoch ist besonders in den stärksten Zellen größerer Hagel nicht ausgeschlossen.

Be-Ne-Lux, Nordfrankreich

Auslöseindikator / Zellmodus: einzeln, nach Sonnenuntergang linienartig bzw. gruppig

Nach ihrer Entstehung wird sich die Konvektion entlang der Kaltfront linienartig organisieren und nach (Nord)Osten vorankommen. Gegen 18z sollte sie die Westgrenze Deutschlands erreichen. Hier ist weniger mit Hagel, jedoch mit linearen Starkwindereignissen in Form von einzelnen Downbrusts zu rechnen. 0-3 km SRH von rund 150 J/kg, sowie ein absinkendes Kondensationsniveau bilden zudem gute Voraussetzungen für Tornados. Ein weiteres Argument für die Entstehung von Großtromben liegt in der abendlichen Stabilisierung der Grenzschicht, was den vertikalen Austausch abschwächt und somit die LLS erhöht (12 m/s). Die 5%-Tornadowahrscheinlichkeit sollte demnach gerechtfertigt sein.

Während sich im Norden die Konvektion eher linienartig organisiert, ist in dieser Warnregion eher mit punktueller Konvektion zu rechnen. Etwas geringere Dynamik, jedoch höhere Labilität ( auch bedingt durch Einstrahlung) bis zu 800 J/kg ML CAPE bildet ideale Voraussetzungen für langlebige Mesozyklonen.

In den Prognosetemps von HIRLAM lässt eine annähernd trockenadiabatisch geschichtete Grundschicht ein höheres „Wet-Bulb-Zero“ als im Norden vermuten, was ein Indiz für Großhagel darstellt. Aufgrund dessen scheint eine 20%-Region für Hagel sinnvoll. Auch das Tornadorisiko ist hier minimal höher als im Norden des Vorhersagegebietes, während das Risiko vor Downbursts weniger hoch ist.

Nach Sonnenuntergang kommt es zur Verclusterung der Zellen. Dann liegt die Hauptgefahr bei Starkregen- und Starwindereignissen.

Unsicher ist wie weit frontales Gewölk nach Süden ausgreifen wird. Hierdurch könnte CAPE nicht unwesentlich gemindert werden.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Sowohl Globalmodelle als auch mesoskalige Modelle rechnen die Lage relativ einheitlich. Unterschiede finden sich wie immer bei der genauen zeitlichen und räumlichen Einteilung der Niederschläge. Allgemein sollte dieser Outlook die Situation jedoch gut wiedergeben und analysieren. Ein Severe-Threat 2 ist angemessen. Mit Updates ist nicht zu rechnen.

Unsicherheiten bezüglich der Labilität (wegen Frontalgewölk) wurden genannt.

Convective Outlook 28.04.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 28.04.2012, 06Uhr UTC
bis:   29.04.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Derzeit liegt Mitteleuropa im Bereich eines Vierer-Druckfeldes in einer baroklinen Zone. Sie wird durch eine recht schwache Bodenfront markiert, die strömungsparallel quer über Deutschland verläuft. Sie trennt eine polarmaritime Luftmasse im Nordwesten von einer subtropischen Luftmasse im Südosten der Republik. Leichte Hebungsvorgänge im Bereich der Front prägen dabei das Wettergeschehen in Form von nicht-konvektiven Niederschlägen über der Mitte des Landes. Ansonsten sorgt Absinken für ruhiges Wetter.

In der Nacht zum Samstag verstärkt sich die Warmluftadvektion in 850 hPa markant, sodass die sich intensivierende Luftmassengrenze als Warmfront langsam nach Norden vorankommt. Weiterer Druckabfall über Frankreich mündet in der Entstehung eines Tiefs, was den die Temperaturadvektion (und damit auch den T-Gradienten) über Deutschland auch tagsüber aufrecht erhält (hinzu kommen diabatische Effekte). Im Warmsektor des Frankreichtiefs deuten sich zum Nachmittag einzelne konvektive Umlagerungen an, was einen Severe-Threat 1 nach sich zieht.

 

Mesoskalige Diskussion

Um 06z befindet sich die Warmfront auf einer Linie Brüssel-Osnabrück-Hamburg wobei Die 10-Grad-Isotherme weite Teile des Vorhersagegebietes erfasst. Der gegenwärtige GFS-Lauf lässt das frontale Gewölk rasch nach Norden ziehen, sodass es in den Regionen südlich des Münsterlandes und vor allem Süd NRW auflockern kann. Unter zunehmender Einstrahlung können die Bodentemperaturen rasch 20 Grad und mehr erreichen, wenngleich die genaue Temperaturverteilung noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Bei Taupunkten von 12 -15 °C (Man beachte dass die unteren Schichten durch den Warmfrontdurchgang feuchteangereichert sind) wohl 200-500 Joule ML-CAPE denkbar.

GFS zeigt zwar vor allem über Ostfrankreich deutlich höhere Werte, man kann jedoch davon ausgehen, dass dies der übertriebenen Interpretation der Bodenfeuchte geschuldet ist. Generell sollten jegliche Zellen jedoch grundschicht-entkoppelt sein, da vor allem nördlich der Konvergenz bodennahe leichte KLA herrscht.

Sehr auffällig ist sowohl das horizonale und vertikale Windprofil. Auf WRF-Finemash erkennt man eine quer über Süd-NRW situierte Feuchteflusskonvergenz, die auf die hier liegende Bodenwarmfront zurückzuführen ist. Während nämlich in mittleren Schichten der Wind verbreitet auf südliche Richtungen gedreht hat, herrscht am Boden ein inhomogenes Windprofil, wobei die Stromlinien gegeneinander laufen. In Nord-NRW herrscht (Nord-)Ostwind, in Süd-NRW kommt er bereits aus südlichen Richtugen. Ein Lo-Level-Jet (LLJ), der den äußersten Westen touchiert, sorgt gleichzeitig für z.T. starke Geschwindigkeitsscherung in den unterstehenden 1,5 km. Auch die 0-6 km Scherung zeigt erhöhte Werte von bis zu 27 m/s. Folglich sind auch die 250 J/kg 0-3km SRH (Veering) nicht verwunderlich.

Den Auslöseimpuls sollte entweder die Konvergenz oder das Gebirge (Hohes Venn, Eifel, Sauerland) geben. Höhendivergenz ist nicht vorhanden. Letztes ist auch der Grund, weshalb diese Vorhersage mit Skepsis betrachtet werden sollte. Am Ende mehr dazu.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Teile von Westfrankreich, Belgien, Luxemburg und Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie, Bodenkonvergenz / entkoppelt, einzeln

Ab dem Nachmittag ist mit der Auslösung einzelner entkoppelter Warmlufteinschubgewitter zu rechnen, die sich nordostwärts verlagern. In Anbetracht der bereits erwähnten Dynamik sind Unwetter nicht ganz auszuschließen. Ein „schwacher“ Severe-Threat 1 mit einem TOTAL-Severe-Potential von rund 5 % wurde deswegen eingezeichnet. Allgemein ist in den Konvektionszellen mit Sturmböen, vor allem im Bereich maximaler CAPE-Werte auch mit kleinerem Hagel zu rechnen. Die Tornadogefahr ist gering. Trotzdem kann die Existenz des LLJ nicht verschwiegen werden – deswegen die 2 % für ein Tornado-Ereignis.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Wie bereits in der mesoskaligen Diskussion erwähnt wurde, sollte diese Vorhersage mit der (sowieso immer) nötigen Skepsis betrachtet werden. Gerade der fehlende Hebungsimpuls durch Höhendivergenz macht verbreitete und linear organisierte Konvektion sehr unwahrscheinlich. Das ist auch der Grund, warum sowohl DWD als auch UWZ nur sehr verhalten auf vereinzelte „Wärmegewitter“ hinweisen. Auch die Modelle geben insgesamt wenig und wenn überhaupt nur indirekte Hinweise auf Gewitter. Es ist vor allem die Dynamik (Scherung), die für den Severe-Threat verantwortlich ist.

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