Convective Outlooks 2014

Convective Outlook 10.08.2014

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

***** Ein Ausbruch schwerer Unwetter mit erhöhtem Tornadopotential ist wahrscheinlich über Teilen von Ostfrankreich, Be-Ne-Lux und Westdeutschland *****

[tabby title=“Kategorisch“]
[tabby title=“Hagel“]
[tabby title=“Wind“]
[tabby title=“Tornado“]
[tabbyending]

 

Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 10.08.2014, 00Uhr UTC
bis:   11.08.2014, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Gegenwärtig liegt Mitteleuropa vorderseitig eines steuernden Tiefs zwischen GB und Island in einer südwestlichen Höhenströmung. Hinter einem abziehenden Randtrog kann in einer allgemein stabilen Luftmasse vor allem über Deutschland Zwischenhocheinfluss etablieren.

Ex-Hurrikan Bertha wird von Neufundland kommend als untere positive PV- bzw. Theta-Anomalie in die Zirkulation des atlantischen Tiefs eingebunden und durchläuft die Transformation in eine außertropische Mittelbreitenzyklone. Dabei erfolgt eine Kopplung mit einer oberen PV Anomalie, sodass es am morgigen Sonntag zu einer Vertiefung des Bodentiefs im Bereich der britischen Inseln kommt (Kerndruck 12 UTC: 990 hPa). Diese Intensivierung wird später noch einmal aus der QG-Sicht betrachtet. Im östlich des Tiefs befindlichen WLA-Regime steilt die Strömung über dem Vorhersagegebiet wieder auf, was die nordwärts gerichtete Advektion subtropischer Luft zur Folge hat. Ab den späten Mittagsstunden des Sonntags erfasst die Kaltfront von Bertha von Westen kommend Be-Ne-Lux und Mittel – bzw. Ost – Frankreich und verlagert sich in der Folge rasch ostwärts. Sie löst eine schwere Unwetterlage aus.

 

Mesoskalige Diskussion

Die Brisanz des morgigen Setups liegt in den kinematisch äußerst günstigen Bedingungen, die der fast schon winterlich anmutenden Dynamik durch Ex-Hurrikan Bertha geschuldet sind. So zeigt GFS in Folge der für diese Jahreszeit ungewöhnlich starken Baroklinität einen prägnanten Jetsreak in 300 hPa (100-120 kt), der sich vom Ostatlantik bis nach Frankreich erstreckt. An seinem zyklonalen Ausgangsbereich findet sich ein Divergenzmaximum  im Höhenfeld, unter welchem sich das Bodentief rasch intensivieren kann. Zusätzlichen Vertikalantrieb liefert noch ein Maximum an WLA sowie DPVA. Als Konsequenz kann sich im Bodendruckfeld, primär im Warmsektor der Bodenzyklone, ein ansehnlicher Druckgradient aufbauen. Durch letzteren wird zum einen die  niedertroposphärische WLA forciert, zum anderen kann sich aber auch ein starker meridional ausgerichteter LLJ ausbilden. Bezüglich der Struktur der Kaltfront scheint seitens der Modelle eine Splitfront zmdst. in ihrem Nordteil) sehr wahrscheinlich. Dies zeigt sich sowohl in den Karten für die Konvergenz der Normalkomponente des Q-Vektors als auch in den Tatsache, dass der eben erwähnte Jet eine gewisse front-senkrechte Komponente besitzt. Dies sorgt für eine  Überströmung der Front und eine Labilisierung der Frontumgebung  (stark negativer KO-Index)  durch den trockenen Oberstrom, der wie gewöhnlich linksseitig des Jets situiert ist. Der Umstand dass es sich um eine Split-Front handelt, wird auch durch die Doppelfrontstruktur in den Niederschlagsvorhersagen von WRF und COSMO widergespiegelt, wobei die erste Front mehr einer Höhenkaltfront mit bodennaher Feuchteflusskonvergenz gleichkommt. Der endgültige Luftmassenwechsel geschieht mit der 2. Front.

Bezüglich der präfrontalen Luftmasse existieren noch einige größere Unsicherheiten. Diese beziehen sich, wie so oft, auf den Aufbau von CAPE durch Einstrahlung. Die vorderseitige kräftige WLA wird hohe bis Mittelhohe Wolkenfelder produzieren. Vor allem EURO4 simuliert im Bereich der Warmfront sogar morgendliche, womöglich grenzschicht-entkoppelte Konvektion über Nordostfrankreich und Südwestdeutschland (Warmlufteinschubgewitter?). Es ist also fraglich, in wie fern es nach morgendlichen Regenfällen zu einer (Rück-)gewinnung an Labilitätsenergie kommt.

Trotz der Niederschläge am Vormittag zeigen wohl GFS und ECMWF als auch WRF und COSMO-EU den Aufbau von 500-1000, lokal auch 1500 J/kg ML-CAPE, wobei  es bezüglich der räumlichen Maxima auch noch einige Diskrepanzen gibt. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass im südlichen Bereich des Warmsektors mehr Labilität vorhanden ist, als weiter nördlich bzw. nordwestlich, wo den ganzen Tag über WCB-Gewölk berechnet wird.

Ungeachtet der Dynamik der Lage ergeben sich also zwei zentrale Fragestellungen:

 

  1. Wie groß sind die Unterschiede zwischen berechnetem und realem CAPE?
  2. Tritt der Schwerpunkt an Konvektion an der Konvergenz oder an der Kaltfront auf?

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

 

(Nord-)Ost-Frankreich, Be-Ne-Lux, Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz, Kaltfront / meist linear, Bow-Echos / 10-00 UTC

Ein High-End Severe-Threat 2 wurde herausgegeben primär vor der Gefahr vor (extremen) Downbursts, Tornados und mittelgroßem bis großem Hagel (2-4 cm).

Ein Severe-Threat 1 umrandet den Severe Threat 2 primär vor der Gefahr vor Downbursts, Tornados und kleinem bis mittelgroßem Hagel.

500-1200 J/kg ML CAPE, maximal 25 m/s 0-6 km DLS, 0-3 km SRH-Werte bis 200 J/kg und starkes Forcing am Jet bzw. Höhentrog (DPVA), sowie an der Splitfront bilden die Grundlage für eine explosive und gefährliche Warnlage. Es ist damit zu rechnen, dass sich zwei unabhängige konvektive Linien ausbilden (eine an der Konvergenz bzw. Höhenkaltfront, die andere an der Bodenfront). In der Initialphase bergen die Zellen, vor allem Richtung Frankreich, das größte Hagelpotential und werden aufgrund der kinematisch günstigen Umgebung schnell superzellularen Charakter annehmen. Dabei sollte es sich aufgrund der allgemeinen hochreichend feuchten Vertikalprofile um HP-Superzellen mit ausgeprägtem RFD handeln, die sich vor allem nach Norden hin (Be-Ne-Lux) schnell zu Bow-Echos entwickeln können.

Je nach Ausprägung und Überlappung der Parameter kann auch ein Line-Echo-Wave-Pattern (LEWP) nicht ausgeschlossen werden (Janek-WRF 4 km bietet diese Entwicklung an).

Dann geht das Gefahrenpotential zu linearen Starkwindereignissen  über mit Gefahr von Böen der Stärke 10-11 bft. Auch Orkanböen um 120 km/h oder gar schwere Orkanböen (>120 km/h) können vor allem bei Entwicklungen nahe der Kaltfront punktuell auftreten (vertikaler Impulstransport). Aufgrund der allgemein niedrigen LCLs, sowie hoher bis sehr hoher 0-1km LLS von lokal mehr als 15 m/s und 0-1 km SRH bis 150 J/kg besteht zudem eine erhöhte Tornadowahrscheinlichkeit (10%), wobei auch ein stärkerer Tornado (F2 +) nicht unwahrscheinlich ist.

Kaltfront und Konvergenz werden sich am Abend und der Nacht zum Montag gen Nordosten nach Mittel und Ostdeutschland verlagern und dabei primär im Nordbereich einen progressiven Charakter aufweisen, während sie im Süden relativ gesehen „zurückhängen“.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Alles in allem haben wir uns für einen sehr hohen Severe-Threat 2 ( bis 20% Total-Severe Potential) entschieden. Ein Severe-Threat 3 erschien uns derzeit aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf CAPE und Hauptaktivität der Konvektion (1 Kaltfront (Konvergenz), 2. Kaltfront?) zu hoch angesetzt. Ein Update kann gegebenenfalls am morgigen Vormittag erfolgen.

Convective Outlook 19.07.2014

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

[tabby title=“Kategorisch“]

[tabby title=“Hagel“]

[tabby title=“Wind“]

[tabby title=“Tornado“]

[tabbyending]

 

Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 19.07.2014, 00Uhr UTC
bis:   20.07.2014, 00Uhr UTC

Forecaster: Armin K. und Sebastian B.

Synoptische Ausgangssituation

Aktuell liegt Mitteleuropa im Einflussbereich eines Höhenrückens, dessen Achse von Afrika bis nach Norwegen reicht. In den nächsten Stunden verschiebt sich der Rücken langsam nach Osten und macht Platz für einen sich momentan auf dem Atlantik befindlichen Trog, der sich von der Küste Portugals bis nach Island erstreckt. Trogvorderseitig hat bereits kräftige WLA eingesetzt, die bei südlicher bis südwestlicher Anströmung am Samstag ihren Höhepunkt erreicht.

Ab Samstagmittag macht sich mit Annäherung des Troges auch im Bodendruckfeld mehr und mehr zyklonaler Einfluss in Form einer großräumigen Tiefdruckrinne mit thermisch induzierten Bodentiefs bemerkbar. Die Strömung bleibt dabei weiterhin schwachgradientig. Eine im Trog eingelagerte Kaltfront, die in der Nacht auf Samstag etwa entlang einer Linie Irland – Iberische Halbinsel –  Azoren verläuft, beendete bereits über Portugal und Spanien die Hitzewelle und greift zum Montag auch auf Deutschland über.

 

Mesoskalige Diskussion

Aktuell konnte sich die an eine Kurzwelle gebundene, entkoppelte Konvektion über Nordfrankreich durch das Einbinden hoher Grenzschichtfeuchte (Mischungsverhältnis verbreitet bei 14-15 g/kg) deutlich intensivieren. Bei hohem CAPE von 2000 bis 3000 J/kg und einem kinematisch günstigen Umfeld bzgl. Scherung und QG-Forcing durch die Kurzwelle, ist in den kommenden Stunden mit einer Organisation in ein weitläufiges MCS zu rechnen. Dabei besteht die Gefahr von Großhagel, vor allem aber vor (schweren) Downbursts und vereinzelten Tornados.
Das System verlagert sich nord-nordostwärts, wobei beachtet werden muss, dass es nicht in den Warnkarten integriert ist, die erst ab 00 UTC gelten.
Auch in der kommenden Nacht ist ausgehend von der Region um Bordeaux bis Paris und westlich davon mit Neuentwicklungen zu rechnen. Sie orientieren sich an der eingangs erwähnten thermischen Tiefdruckrinne und der damit korrespondierenden Konvergenz. Letztere verbleibt auch am morgigen Vormittag noch meridional exponiert und stationär über Westfrankreich. An weiteren, von Süd nach Nord propagierenden Randtrögen, sind immer wieder Maxima konvektiver Aktivität zu erwarten.
Die Luftmasse besitzt weiterhin einen subtropischen Charakter mit Theta-E Werten über 60 °C und
Bodenmischungsverhältnissen bis 15 g/kg mit den höchsten Werten im Norden und Nordwesten Frankreichs und über Südbelgien. Zudem liegen recht verbreitet steile Abnahmeraten von Temperatur und Theta-E in den mittleren Troposphärenschichten vor (Elevated-Mixed Layer) die in  hohen Werten an Labilitätsenergie resultiert. Als Konsequenz simuliert die Numerik recht einhellig 1500-2000, vereinzelt auch 2500 J/kg ML-CAPE. Auch der KO-Index als Maß für die niedrige Schichtungsstabilität zeigt stark negative Werte im Bereich von -9 bis -12 K. Unterhalb der EML liegt eine Absinkinversion vor, die die hohe Grenzschichtfeuchte gewissermaßen deckelt und erhöhtes CIN zur Folge hat.
Überlagert wird diese Luftmasse aufgrund der Nähe zum Trog durch recht kräftige Oberwinde von 30 – 40 kt in 500 hPa, sodass sich eine 6 km AGL Bulk-Shear von 15 – 20 m/s ergibt. Zusätzliche Dynamik erfährt das Set-Up ab den frühen Abendstunden, wenn sich erneut ein Sekundärtrog in das Gebiet maximaler Labilität verlagert. Die damit einhergehenden Antriebe durch DPVA bzw. positive Q-Vektor-Divergenz sorgen neben der Bodenkonvergenz für Hebungsprozesse, die CIN überwinden sollten.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

 

Westfrankreich, Südwest-Belgien

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz, Kurzwelle / multi- und superzellular, MCS möglich / 00-00 UTC

 

Ein Severe-Threat 2 wurde herausgegeben primär vor der Gefahr von großem Hagel , Downbursts sowie in geringem Maße vor einzelnen Tornados

Bereits aus der Nacht heraus zeigen die Modelle im Bereich der Normandie und südlich davon (alternde) konvektive Systeme. Diese könnten eventuell durch großräumige Eisschirmen die Einstrahlung in einem Sektor westlich von ihnen stark eindämmen. Mit dieser Unsicherheit als Hintergedanke sollte ab dem frühen Nachmittag von Mittelfrankreich ausgehend neue Konvektion triggern, die mit dem Höhenwind Richtung Nord-Nordost propagiert. In der bereits angesprochenen kinematsich und thermodynamisch günstigen Umgebung wird etwaige Zelle die Möglichkeit haben eine Mesozyklone zu entwickeln, wenngleich aufgrund der fehlenden Richtungscherung (0-3 km/h Helizität bei 50 – 100 m²/s², kaum Veering) eher gut organsierte Multizellencluster vom Typ „parallel-stratiform“ wahrscheinlich sind. In der Konvektion ist primär im Nordbereich des Severe-Threat 2 großer Hagel um 5 cm Korngröße zu erwarten. Auch sehr großer Hagel kann in Regionen mit dem niedrigstem Wet-Bulb-Zero nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund vom hohem DCAPE bzw. Delta-Theta-E um 20 K besteht auch ein gewisses Dowbburstrisiko. Dies ist insbesondere auch dann der Fall, wenn sich die Zellen durch Cold-Pools und den zunehmenden Grenzschichtwind ab dem späteren Abend zu einem MCS verclustern. Dann ist auch die Entwickelung eines MCS-internen Bow-Echos denkbar. Inwieweit die Konvektion durch den eintreffenden Kurzwellentrog gegen Abend bereits einen Ost-Impuls bzgl der Verlagerung erfährt, muss abgewartet werden. Relativ sicher scheint nur, dass ab der 2. Nachthälfte und am Sonntag Morgen auch Ost-Be-Ne-Lux und der äußerste Westen Deutschlands von Gewittern betroffen sein wird.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die großräumige Situation wird recht konsistent simuliert. Unterschiede ergeben sich jedoch in der genauen Verteilung der (konvektiven) Niederschlagsfelder sowie der Terminierung. Die stratiforme Schirm-Bewölkung der nächtlichen Konvektion wurde bereits im Text als Unsicherheitsfaktor genannt.

Convective Outlook 06.07.2014

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

[tabby title=“Kategorisch“]

[tabby title=“Hagel“]

[tabby title=“Wind“]

[tabby title=“Tornado“]

[tabbyending]

 

Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 06.07.2014, 00Uhr UTC
bis:   07.07.2014, 00Uhr UTC

Synoptische Ausgangssituation

Gegenwärtig befindet sich eine hochreichende Zyklone mit steuerndem Charakter über dem Seegebiet zwischen Island und den britischen Inseln. Ein Vorstoß kalter Luft bzw. niedriger Schichtdicke sorgt innerhalb der nächsten 12 Stunden für eine meridionale Amplifikation des Tiefs bzw. Troges, sodass seine Horizontalachse am Sonntag Mittag bis Spanien reicht.

Als Konsequenz steilt sich die Höhenströmung über Mitteleuropa auf, was eine Rückwärtsdrehung des Windes auf südwestliche Richtungen zur Folge hat. Dieser Vorgang resultiert neben einem minimalen Geopoentialanstieg auch in Warmluftadvektion über dem Vorhersagebereich. Eine sich über Großbritannien befindliche und zum Islandtief zugehörige Kaltfront, kommt nur noch langsam nach Südosten voran und gerät über dem Ärmelkanal unter Wellenbildung. An einem Wellenscheitel entwickelt sich ein Randtief, welches sich bis Sonntag 18UTC zur Nordsee verlagert. An seiner Südflanke kommt die Kaltfront leicht-beschleunigt nach Osten voran und löst über dem Vorhersagebereich Konvektion aus.

 

Mesoskalige Diskussion

Ab den Frühstunden des Sonntags kommt es primär über Frankreich sowie Westdeutschland aufgrund des eingangs erwähnten Rückdrehen der Grundströmung zu Warmluftadvektion, wobei die Theta-e Werte großflächig auf über 50 °C ansteigen. In 850 hPa erreicht die 15 °C -Isotherme um 18 UTC die Höhe von Hamburg. Während die Luftmasse Richtung Ostdeutschland verhältnismäßig trocken ist, liegen die Mischungsverhältnisse in einem schmalen Streifen vor der sich langsam annähernden Kaltfront bei mehr als 10 g/kg. Der  grenzschicht-interne Feuchteinput hat den Aufbau von 500-1000, über Frankreich und am Alpenrand auch 1500 J/kg ML CAPE zur Folge. Hierzu sei jedoch angemerkt, dass die hier lagernde trockene Föhnluft von den Modellen gerne fehlinterpretiert wird und schon in den vergangenen Tagen bzgl. CAPE zu Konfusionen geführt hat. Von daher scheinen die Labilitätswerte in Süddeutschland übertrieben. Aber auch ansonsten muss der berechneten potentiellen Instabilität die übliche Skepsis entgegengebracht werden, da hohe und mittelhohe Wolken am WCB bzw. vor der Kaltfront die Einstrahlung mindern könnten. Dieser Verdacht bestätigt sich auch in den Prognosesoundings von ECMWF, worin eine feuchte obere Troposphäre berechnet wird. In den Höhenkarten kaum auszumachende kurzwellige Troganteile könnten somit für das nötige Quantum an Hebung sorgen und das Ausbilden großräumiger Wolkenfelder bereits am Vormittag forcieren. Andererseits sorgt die leichte WLA für eine Stabilisierung (CIN), sodass zumindest das frühzeitige Auslösen von Konvektion unterbunden werden sollte.

 

Ab dem Nachmittag  kommt es durch das zur Nordsee ziehende Randtief zu einer allmählichen Ostwärts-Propagation der Kaltfront. Präfrontal organisiert sich klassischerweise eine (Feuchtefluss-)Konvergenz, die auch auf den Prognose-Bodenkarten von KNMI vermerkt wurde.

Gegeben, dass es zumindest zeitweise einstrahlen kann und dementsprechend substanzielles CAPE vorhanden ist, entwickelt sich von West nach Ost fortschreitend Konvektion. Diese könnte durch die Nähe zu einem Jetstreak in 300 hPa an dessen rechtem Eingang von Höhendivergenz profitieren. Außerdem garantiert die Nähe zur Kaltfront einen Low-Level-Jet im Bereich der Konvergenz zwischen 925 hPa und 850 hPa , der über den Niederlanden ein Maximum von >30 kt aufweist.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

 

(Nord-)Ost-Frankreich, Südwestdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz / gruppig, später lineare Segmente möglich / 12-00 UTC

Ein Severe-Threat 1 wurde herausgegeben primär vor der Gefahr vor großem Hagel, sowie Downbursts und Flashfloods.

In diesem Bereich besitzt die Kaltfront einen sehr schwachen front-senkrechten Verlagerungsimpuls, sodass ihr wellender Charakter hier am größten ist. Obschon die mit der Front verbundenen Vertikalbewegungen damit relativ gesehen am schwächsten ausfallen, sollte in dieser Region bereits ab dem Mittag (11-12 UTC) multizellulare Konvektion triggern. Das liegt daran, dass vor allem über Frankreich Einstrahlungsdefizite am geringsten sind und  damit die berechneten CAPE Werte am ehesten der Realität entsprechen (>1000 J/kg). Da zusätzlich relativ steile Mid-Level-Lapse-Rates von rund 8 K vorliegen und auch Delta-Theta-E mit 12-18 K verhältnismäßig hoch ist, liegt die Hauptgefahr bei Hagel. Dies gilt insbesondere bei orographisch induzierten Zellen (Zentral-Massiv, Vogesen), wobei auch Großhagel bis 5 cm nicht ausgeschlossen werden kann. Die Konvektion propagiert Richtung Nordosten und erreicht ab dem frühen Abend Südwestdeutschland. Bei zunehmender niedertroposphärischer Windscherung (0-1 km: 10 m/s, 0-3 km: 15 m/s) kommt es bei Ausbildung größerer Cold Pools zu einer linearen Verclusterung der Zellen. Schwerpunktmäßig zeigen die feinmaschigen Modelle (EURO4, WRF4km) die Option auf ein Bow-Echo. Dann geht die Hauptgefahr zu Starkwindereignissen über. Generell gilt, dass bei PWAT-Werten von 35 kg/m²auch Flash-Floods eine Rolle spielen, die aber nicht direkt in die Warnkarten mit einfließen.

 

Äußerster Norden Frankreichs, Be-Ne-Lux, (Nord-)Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz /  gruppig, später lineare Segmente wahrscheinlich/ 12-00 UTC

Ein Severe-Threat 1 wurde herausgegeben primär vor der Gefahr von Downbursts, sowie mittelgroßem Hagel und Flashfloods.

Wenngleich in diesem Warnsektor die Unsicherheit bzgl. CAPE am größten ist, ist hier maximales Forcing durch die Konvergenz und die Nähe zum Bodentief gegeben. Zusätzlich könnte noch der bereits genannte rechte Jeteingang eine Rolle in Bezug auf Hebungsvorgänge spielen. Außerdem garantiert der präfrontale, meridional ausgerichtete Low-Level-Jet starke LLS mit bis zum 15 m/s in 0-1 km.  Sollten die berechneten CAPE Werte der Wahrheit entsprechen, ist ab dem Nachmittag (13 UTC) über Belgien mit Auslösung zu rechnen.  Die hervorgehende DMC wird sich rasch verclustern und dabei aufgrund der hohen Scherung linear organisieren.  Wir rechnen mit der Ausbildung einer Squall Line des Typs „broken line“, worin sich 1 oder 2 Bow-Echos eingliedern können. Innerhalb dieser Bogensegmente besteht lokal die Gefahr von Böen der Stärke 10. Auch einzelne orkanartige Böen (11 bft) sind je nach Ausprägung der Konvektion nicht ausgeschlossen. Ferner ist primär im aufwind-dominanten Stadium der Zellen mittelgroßer Hagel wahrscheinlich.

Gegen Abend ist bei abnehmenden LCLs und leicht erhöhter 0-1 km Helizität im Bereich des Low-Level-Jets ein Tornadoereignis denkbar – jedoch spielt auch diesbezüglich die vorherige Einstrahlungsintensität eine Rolle (LL-CAPE).

Im Laufe des späten Abends und in der Nacht ist mit einer deutlichen  Abschwächung der sich nach Nordosten verlagernden Konvektion zu rechnen, die aber durchaus noch länger blitzaktiv sein kann.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Unsicherheiten in Bezug auf CAPE wurden hinreichend diskutiert. Ansonsten simuliert die Numerik die Situation übereinstimmend.

Convective Outlook 09.06.2014

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

!!! UPDATE !!!

[tabby title=“Kategorisch“]

[tabby title=“Hagel“]

[tabby title=“Wind“]

[tabby title=“Tornado“]

[tabbyending]

 

Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 09.06.2014, 02Uhr UTC
bis:   10.06.2014, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Zwischen einem Höhentief westlich der britischen Inseln und einem Höhenrücken, der von Nordafrika bis zum Baltikum reicht, konnte sich über Mitteleuropa eine kräftige südliche bis südwestliche Höhenströmung etablieren. Im Bodendruckfeld gestaltet sich die Lage diffus, da keine stärkeren Druckgradienten vorliegen. Lediglich das atlantische Höhentief bildet sich auch stärker in den unteren Schichten ab. Eine strömungs-parallele Frontalzone verläuft diagonal über West- und Mitteleuropa. An ihr sowie vorlagerten Konvergenzzonen ist das Wettergeschehen in der vorherrschenden subtropischen Luftmasse stark von Konvektion geprägt.
Am Pfingstmontag verbleibt das Trog-Rücken-Muster zunächst stationär. Über Deutschland verstärkt sich sogar der antizyklonale Einfluss vorübergehend. Ab dem Nachmittag gewinnt jedoch ein flacher Troganteil zunehmend an Einfluss, wenn der Warnbereich auf seine Vorderseite gerät und die Stromlinienkrümmung allmählich zyklonaler wird. Vor dem Trog verlagert sich im Bodenfeld eine thermische Welle (Drucktrog) nordwärts von Frankreich kommend nach Be-Ne-Lux und Westdeutschland. Dabei kommt einem Ausbruch schwerer Unwetter.

 

 

Mesoskalige Diskussion

An der erwähnten Frontalzone und den dazugehörigen Feuchteflusskonvergenzen zeigen sich aktuell zwei Schwerpunkte. Einer liegt über Nordpolen, wo die „Überbleibsel“ eines MCS der am Sonntag über Norddeutschland gezogen ist, sich zu einem konvektiv durchsetzten wenig gut organisierten Cluster zusammengeschlossen haben. Der andere Schwerpunkt befindet sich über Nordholland und Westdeutschland. Hier befindet sich eine Bodenkonvergenz, an der mehrere Einzelzellen triggern konnten, die sich ebenfalls verclustert haben. Auch Westfrankreich haben sich neue Zellen gebildet.

Für die weitere Entwicklung, auch am morgigen Tag ist das Verhalten der Gewitter über Frankreich sehr entscheidend. Zum einen stellt sich die Frage, wie weit sie nach Osten vorankommen, zum anderen ob das damit verbundene Gewölk morgen die Einstrahlung dämmt.
In jeden Fall kommt es am Montag zu einem „moisture return“, sodass auch die Regionen im Norden das Vorhersagegebietes wieder in den Bereich von Theta-e Werten > 50°C kommen. Die damit einhergehende Feuchteadvektion wird additiv mit der lokalzeitlichen Feuchtetendenz durch Evapotranspiration die Werte des Mischungsverhältnisses auf 12-15 g/kg in Bodennähe erhöhen. In Kombination mit der vorhandenen EML bzw. steilen Abnahmeraten in den mittleren Troposphärenschichten ergibt sich eine energetisch „hochwertige“ Luftmasse. Die CAPE Werte werden im Vorhersagegebiet verbreitet 2500-3000 J/kg erreichen. GFS bietet sogar bis 3500 J/kg ML-CAPE an. Auch de KO-Index ist mit bis zu -18 K sehr negativ. Die für mitteleuropäische Verhältnisse extreme Labilität wird unter Einfluss des Höhenrückens zunächst noch stark gedeckelt, was sich in hohen CIN Werten bis 200 J/kg niederschlägt. Dadurch kann sich die Energie über den Tag hinweg „anstauen“ und wird beispielsweise nicht durch frühzeitige thermische Auslösung freigesetzt.
Auch kinematisch betrachtet liegt ein sehr günstiges Umfeld für organisierte Konvektion vor. Dies äußerst sich durch die Nähe zu einem „Mid-Level-Jet“ westlich von Frankreich. Als Konsequenz liegt die hochreichende Windscherung verbreitet über 20 m/s, über der Normandie sogar bei knapp 30 m/s.
Ein etwas größeres Fragezeichen stellen noch die dynamischen Hebungsantriebe dar. Zwar schiebt sich nachmittags das eingangs genannte Bodentief über Frankreich nach Norden – verbreite Konvektion wird dabei allerdings zunächst nicht simuliert. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die Bodenantriebe nicht zur Überwindung von CIN ausreichen. Einen hohen Grad an Brisanz erfährt das Set-Up erst gegen Abend, wenn ein Sekundärtrog von Irland kommend nach Osten wandert. Die vorderseitigen QG-Antriebe in Form leichter DPVA, sowie eventuelle Höhendivergenz am Jetstreak könnten den nötigen Initialimpuls liefern und erste Konvektion triggern.
In diesem Umfeld ist, wie auch in den vergangenen Tagen jede Zelle im eine hochreichende, langlebige Mesozyklone zu entwickeln. Aufgrund des nochmal gesteigerten CAPEs können sich in den Zellen massive Coldpools ausbilden, die mit der Umgebungsscherung wechselwirken und neue Zellen triggern.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Nordfrankreich, Be-Ne-Lux, Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Bodentief, Konvergenz / meist superzellular / 12-00 UTC

Es kommt zu einem Unwetterausbruch durch Superzellen und Bow-Echos mit der Gefahr von sehr großem Hagel (> 5cm), Flash-Floods, Downbursts und Tornados

Entlang des Bodentiefs wird es ab dem späten Nachmittag und Abend mit zusätzlichem Antrieb aus dem Höhenfeld zur CI von Mittelfrankreich bis Südbelgien kommen. Die Konvektion zieht nordostwärts und beeinflusst im weiteren Verlauf die Niederlande sowie den äußersten Nordwesten Deutschlands.
Da kein starker linear-progressiver Trigger aus dem Höhen- oder Bodenfeld vorliegt, sollte es sich meist um Einzelzellen handeln. Multizellen entwickeln sich durch die starke Coldpool-Zirkulation (viel CAPE) rasch zu Bow-Echos. Die Möglichkeit von Superzellen wurde im Text schon erwähnt. Die Hauptgefahr liegt eindeutig bei großem bis sehr großem Hagel, vor allem in dem mit 40 % markierten Bereich. Obwohl das Risiko von linearen Starkwindereignissen nicht allzu hoch ist, sind einzelne Downbursts bzw. Microbursts bei Delta-Theta-E Werten um 20 K sehr wahrscheinlich. Wenn ab 17/18 UTC die Grenzschichtströmung zunimmt, kann sich ein LLJ ausbilden. Er wird zudem forciert durch die Temperatur- bzw. Druckunterschiede vor und hinter der Konvergenz. Dann besteht bei sich absenkendem LCL auch ein erhöhtes Tornadopotential.

Modellkonsistenz / Ergänzende Hinweise

Summa Summarum liegt ein höchstgefährliches Set-Up vor, das mit einem hohen Severe-Threat 2 an der Grenze zum Severe-Threat 3 betitelt wird. Letztendlich war es der fehlender starke Antrieb durch QG-Forcing und die Unsicherheit bzgl. der Konvektion aus der jetztigen Nacht, weswegen wir einen Severe-Threat 2 für ausreichend halten. Für einen Severe-Threat 3 müsste die unwetterträchtige Konvektion noch großräumiger auftreten und zudem die Option einer Squall Line beinhalten. Ein Upgrade wird dann erfolgen, wenn sich wider erwartend im Nowcast ein weiter verbreiteter Unwetterausbruch abzeichnet.


Update

Die Warnkarte wurde den aktuellen Zugbahnen bzw. Konvektionsschwerpunkten angepasst.
Aus Zeitgründen können keine Wahrscheinlichkeiten für Hagel, Wind und Tornados geliefert werden. Die Zellen über Frankreich, welche ausnahmslos superzellular sind und sich entlang einer Konvergenz gebildet haben, scheren in den kommenden 6 Stunden nach West und Nordwestdeustchland. Dabei koppeln sich die Stürme mehr und mehr an die Grenzschicht und erfahren eine deutliche Verstärkung. Unter zunehmender Verclusterung durch mächtige Cold-Pools bildet sich ein weitläufiger MCS mit Bowecho(s). In den Zellen bzw. dem MCS besteht Potential für Extremhagel um 5-10 cm Korngröße (durch Meldungen bestätigt), sowie später die Gefahr von Downbursts. In diesem Zusammenhang sollte auch das Phänomen eines „rear-inflow-jets“ genannt werden, der sich bilden kann. Auch Tornados sind gegen Abend denkbar. Ein weiterer MCS liegt, wie bereits gestern, über Norddeutschland. Auch in seinem Bereich existiert ein hohes Unwetterpotential.
Insgesamt besteht weiterhin ein hoher Severe-Threat 2.

Convective Outlook 08.06.2014

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

[tabby title=“Kategorisch“]
[tabby title=“Hagel“]
[tabby title=“Wind“]
[tabby title=“Tornado“]
[tabbyending]

 

Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 08.06.2014, 00Uhr UTC
bis:   09.06.2014, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Vorderseitig eines großräumigen und hochreichenden Cut-Off Tiefs westlich der britischen Inseln wird in einem breiten Strom eine Luftmasse hoher Schichtdicke aus Nordafrika gen Norden geführt. Dieser Prozess fördert die Amplifikation eines langwelligen Höhenrückens nach Mitteleuropa.
Während über Mitteldeutschland und Osteuropa Absinken herrscht, erfahren die Regionen westlich des Höhenrückens zunehmend trog-nahes Forcing. In der z.T. erheblich potentiell instabilen Luftmasse kommt es in den kommenden Tagen zu einem langsam nach Osten verlagernden Ausbruch z.T. schwerer Unwetter.

 

Mesoskalige Diskussion

Die 12 UTC Soundings von Trappes, Bordeaux und Essen signalisieren einhellig die Präsens einer mehr oder minder stark ausgeprägten EML, wie sie für eine Wetterlage mit einer „spanish-plume“ üblich ist. Diese macht sich durch nahezu trocken-indifferente „lapse rates“ in den mittleren Troposphärenschichten bemerkbar. Unterhalb der EML liegt ein ausgeprägter „Deckel“, sodass eine loaded-gun Lage vorliegt. Während es weiter östlich (Bsp. Essen) bodennahe noch trocken ist, dominiert über Frankreich bereits Feuchteadvektion hinter einer schwach wetteraktiven Warmfront (Cirrenband über Deutschland). Folglich zeigen die Bodenmeldungen von ESTOFEX verbreitet Mischungsverhältnisse von 10 – 13 g/kg. Zwar war ML-CAPE mit 500 bis 700 J/kg um 12 UTC noch nicht all zu hoch, bei bodennaher Anfeuchtung wird die Schichtungsstabilität jedoch weiter abnehmen. Wie explosiv die Luftmasse ist, zeigten eine oder mehrere blitzaktive (Super-)zellen über Belgien, die sich an einer Konvergenz bilden konnte. Die westlich dieser Konvergenz lagernde Kaltfront ist auf Satellitenbildern nur sehr schwer erkennbar und kann nur über einen Theta-E Gradienten in den Modellkarten verifiziert werden.
In der kommenden Nacht ist entlang der genannten Konvergenz über Belgien und Frankreich weiterhin mit der Ausbildung von Konvektionszellen zu rechnen. Mehr dazu in den Regionalisierungen.
Am morgigen Sonntag übernimmt die Konvergenz vor allem in ihrem Nordteil die Rolle der Kaltfront, sodass letztere über den Niederlanden nach Osten beschleunigt, während sie im Südteil eher „zurückhängt“. Postfrontal bildet sich über dem Ärmelkanal und der Nordsee ein Mesohoch aus, was hier sowie östlich davon für Absinken und eine vorübergehende Stabilisierung sorgt. Dies gilt für Nordholland, sowie dem äußersten Nordwesten Deutschlands. Südlich angrenzend, von Nordfrankreich und Belgien über Nordrhein-Westfalen bis nach Süd-Niedersachsen befindet sich dann die labilste Luftmasse mit CAPE-Werten von 1500 – 2000 J/kg, lokal auch mehr. Obschon thermische Auslösung bei CTs von z.T. > 30 °C unrealistisch erscheint, kann die Konvektion am frontalen Interface, sowie orographisch bedingt ausgelöst werden. Ferner verlagert sich die bodennahe Luftmassengrenze im Tagesverlauf wieder nach Norden, sodass es zu einer Art „moisture return“ kommt und die Front Warmfront-Charakter annimmt. Die resultierende, sich verstärkende WLA sorgt in ihrem Maximum ebenfalls für leichte Hebung (QG-Forcing).
Stärkere Hebungsantriebe aus dem Höhenfeld fehlen jedoch völlig, sodass fraglich ist, in wie weit die immer noch vorhandene Absink-Inversion allein durch die frontalen Prozesse überwunden werden kann. Dies ist der größte Unsicherheitsfaktor beim aktuellen „Set-Up“. Kommt es erst zur Auslösung, kann sich die Konvektion durchaus selber triggern (Outflow-Boundaries).

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Nordfrankreich

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz, Kaltfront / meist einzeln / 12-21 UTC

Ein Severe-Threat 2 wurde herausgegeben primär vor der Gefahr von großem bis sehr großem Hagel, sowie Flash-Floods

Steile „Lapse Rates“, sowie z.T. sehr hohe Delta-Theta-e Werte bis 24 K lassen in dieser Region auf eine sehr hohes Großhagelpotential schließen, wenn nachmittags die Konvektionszellen entlang der hier noch weiter im Süden liegenden Front initiieren, die sich langsam nach Norden verlagert. Die größte Gefahr vor großem oder gar sehr großem Hagel (> 5 cm) liegt dabei in der Entstehungsphase der Zellen. Ferner besteht aufgrund von PW Werten > 30 kg/m² eine hohe „flash-flood“-Gefahr. Downbursts durch Niederschlagslast sollten weniger häufig auftreten. Allgemein hat jede Zelle in diesem Umfeld, wie auch in den anderen Regionen, aufgrund von DLS bis 25 m/s und gebietsweise hoher SRH (200 m²/s²) das Potential eine langlebige Mesozyklone zu entwickeln. Dann besteht auch das obligatorische 2% Risiko für Tornados.

Nordostfrankreich, Be-Ne-Lux

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz, Frontalzone / meist einzeln MCS möglich  / 00-00 UTC

Für diesen Bereich besteht ein Severe-Threat 2 aufgrund der Gefahr vor großem bis sehr großem Hagel (> 5 cm), Downbursts und Flash-Floods.

Diesem Warnbereich kommt bereits nachts Beachtung zu, wenn sich, wie aktuell entlang der Konvergenz, immer wieder blitzaktive Zellen entwickeln können. Tagsüber kommt es dann entlang der angesprochenen (Feuchte-)Front in Südwest-Nordost-Erstreckung zur Auslösung von Konvektion, die dann lokal auch gut organisiert sein kann. Auch die Entwicklung von Superzellen ist möglich. Sowohl EZ als auch das fein-maschige EURO4 simulieren zudem die Ausbildung eines MCS ab dem späten Vormittag, der sich entlang des WCB orientiert und dabei nach Ost-Nord-Ost zieht. Die Hauptbegleiterscheinung sollte Großhagel und später Starkwindereignisse darstellen.

West-, Mittel-, sowie Teile von Norddeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Konvergenz, Frontalzone, Orographie / meist einzeln MCS möglich  / 09-00 UTC

Ein Severe-Threat 1 wurde herausgegeben vor der Gefahr von mittelgroßem bis großem Hagel, Flash-Floods und linearen Starkwindereignissen

Auch weiter Richtung Nordosten über der nördlichen Mitte Deutschlands ist an der Südseite der Luftmassengrenze mit blitzintensiver Konvektion zu rechnen. Vor allem der eben erwähnte MCS scheint für diese Region die interessanteste Entwicklung darzustellen. Hier liegt dann das Gefahrenpotential bei Flash-Floods, sowie Hagel und Downbursts im späteren Verlauf des Tages, wenn die Zellen outflow-dominant werden. Gegebenenfalls erfährt die Mitte Deutschlands ein Upgrade auf einen Severe Threat 2, je nach Auftreten und Intensität des berechneten MCS. Für den Augenblick belassen wir es bei einem „High-End“ Severe Threat 1.

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Situation wird bis auf die üblichen Unsicherheiten bezüglich Luftmasse und WCB-Bewölkung einheitlich berechnet.

© Sturmjäger NRW 2011 - 2018 - Datenschutzerklärung - Impressum


Creative Commons Lizenzvertrag

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.
Frontier Theme