Mesoskalige Diskussionen 2014

Mesoskalige Diskussion 10 UTC 21.10.2014

Quelle: www.sat24.com
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Der Ex-Hurrikan GONZALO hat auf seinem Weg über den Atlantik alle Stufen einer Umwandlung in ein außertropisches Tief durchlaufen. Die Zyklogenese, die am besten mit dem Modell  nach Shapiro und Keyser beschrieben werden kann, wird zusätzlich durch einen rückwärtigen Vorstoß polarer Luftmassen unterstützt. Der damit korrelierende diffluente Trog zeigt eine zunehmend progressive Verlagerung und forciert auf seiner Vorderseite Vertikalbewegungen, wie an starker Q-Vektor Konvergenz zu erkennen ist. Erwähnenswert ist außerdem ein markanter Jetstreak an der Südflanke des Troges, welcher sich in Folge starker Baroklinität entwickeln konnte.

Synoptisch interessant ist primär die Struktur der Kaltfront (blaue Linie), die, aufgrund der raschen Trogverlagerung und einer zunehmend senkrechten Komponente des Jetstreaks, Kata-Charakter annimmt. Das damit verbundene Überlaufen durch trocken-kalte Luft in höheren Schichten sorgt für eine Labilisierung der Frontumgebung. Ferner erkennt man anhand der präfrontal konvergenten Normal-Komponente des Q-Vektors, dass die Kaltfront frontogentischen Prozessen unterliegt, was mit einer Verschärfung des bodennahen Temperaturgradienten verbunden ist. Für die Wetterentwicklung an der Front ergibt sich folglich ein hochdynamisches Set-Up, vor allem auch durch die vorhandene marginale potentielle Instabilität. GFS zeigt in erster Linie über Süddeutschland am Spätnachmittag und Abend eine perfekte Überschneidung von nahezu indifferenten Lapse-Rates, starker Windscherung und 0-3 km Helizität bis 300 J/kg. Hinzu kommen Hebungsvorhänge durch differentielle Vorticityadvektion und Höhendivergenz am linken Jetausgang.

Bereits ab den Mittagsstunden ist vor allem im orange markierten Bereich mit zunehmend linear-konvektiver Aktivität an der Kaltfront zu rechnen. Hierbei sind durch vertikalen Impulstransport selbst im Flachland schwere Sturmböen bis 100 km/h zu erwarten. Im rot markierten Bereich, also von Rheinland-Pfalz über Südhessen und Baden-Württemberg bis Bayern ist ab dem Abend  mit der Ausbildung einer Squall Line mit ggf. eingelagerten Bow-Echos zu rechnen. Dann sind lokal Böen um 120 km/h möglich. Auch die Bildung einzelner (Böenfront-)Tornados muss in Betracht gezogen werden. In den genannten Regionen sollte daher bei der Kaltfrontpassage ein Aufenthalt im Freien vermieden werden.

Mesoskalige Diskussion 17 UTC 10.07.2014

Originalbildquelle: www.sat24.com

Gegenwärtige Bodenmessungen zeigen vor allem über NRW und NDS eine sehr feuchte Grenzschicht mit Taupunkten von verbreitet mehr als 15 °C und Mischungsverhältnissen von 12 – 15 g/kg. Da es großräumig ungehindert einstrahlen kann, konnten sich den 12 z Soundings zufolge 600 – 2000 J/kg SB-CAPE aufbauen, die über thermische Auslösung auch abgerufen werden sollten.
Zusätzliche Brisanz erfährt die Situation durch einen unscheinbaren, aber durchaus wetteraktiven Kurzwellentrog, der um das steuernde Adria-Tief herumgeführt wird und Deutschland dabei von Ost nach West überquert. Die ungefähre Lage der Trogachse wurde mit einer hellgrünen Linie markiert. Trogvorderseitig herrscht differentielle positive Vorticityadvektion (DPVA), die als zusätzliche Hebungsantrieb fungiert.
Über Ostwestfalen hat sich an einer Feuchteflusskonvergenz (orange-gestrichelte Linie) bereits ein äußerst blitzaktiver Multizellencluster entwickelt, die nach West-Südwest propagiert. Er wird in den kommenden Stunden über der Nordhälfte von NRW für z.T. schwere Gewitter sorgen. Mit der zusätzlichen DPVA und Cold Pool Orographie-Wechselwirkung an den Mittelgebirgen sollten auch weiter südlich neue Konvektionzellen triggern. In den Zellen ist mit hohen bis sehr hohem Regenmengen von bis zu 50 l/m² innerhalb einer Stunde, Hagel von 1-3 cm Korngröße sowie einzelnen stürmischen Böen oder gar Sturmböen zu rechnen. Die Konvektion verlagert sich Süd-Westwärts und kann dabei durchaus eine Scherkomponente in westliche Richtung besitzen.

Mesoskalige Diskussion 15 UTC 06.07.2014

Originalbildquelle: www.sat24.com

Über Ostfrankreich konnte  sich mittlerweile verbreitet hochreichende Konvektion etablieren und entlang der Konvergenz linienartig organisieren (broken line). Dabei nimmt die Blitzfrequenz derzeit rasch zu. Die Konvergenz nimmt nun mehr und mehr die Rolle der Kaltfront ein. Vor der Konvektion haben sie die Wolkenfelder großflächig aufgelöst, sodass es von Dijon über Nancy bis ins Saarland großflächig einstrahlt und die Temperaturen nach dem vorherigen Regen rasch ansteigen.  So werden wieder verbreitet Bodentemperturen über 25 °C . Auch die Feuchtewerte sind in diesem Bereich mit mehr als 10 g/kg (Mischungsverhältnis) weiterhin relativ hoch.
Es ist damit zu rechnen, dass sich die Gewitter weiter organisieren und sich innerhalb der nächsten 6 Stunden rasch nordostwärts über Nordistfrankreich nach Südwestdeutschland verlagern. Der Korridor, der wahrscheinlich von der stärksten Konvektion betroffensein wird, wurde violett markiert.  Die Formation eines kleineren MCS mit Bow-Echo ist hier durchaus möglich. Dabei ist lokal mit Unwettern durch Starkregen, (Groß)Hagel und schweren Sturmböen zu rechnen.

Mesoskalige Diskussion 12 UTC 06.07.2014

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Wie erwartet wurde, dämmt weitreichende mittelhohe bis hohe Bewölkung die Einstrahlung über weiten Teilen des Vorhersagegebiete eins. Letztere ging durch einen ehemaligen konvektiven Cluster aus der Nacht hervor und bleibt durch ein kleines WLA Maximum erhalten (Thickness-Ridge-Cloudniness, THR). Der Aufbau an CAPE wird somit herausgezögert. Für ein gewisses Maß an Labilität sprechen allerdings die Boden-Mischungsverhältnisse, die verbreitet im Bereich von mehr als 10 g/kg liegen.
Direkt an der über Frankreich schleifende Kaltfront bzw. an der unmittelbar vorgelagerten Konvergenz (orange-gestrichelte Linie) konnte sich erste, kaum blitzaktive Konvektion entwickelt. Auch vor der THR-Cloud ist Konvektion aktiv (Eifel), die derzeit nur bis 7 km hochreicht und damit ebenfalls kaum elektrisch ist. Wie sich diese Zelle entwickelt, muss abgewartet werden. Wir rechnen momentan damit, dass sich vor allem die Konvektion über Frankreich langsam intensiviert und es zusätzlich noch am Zentralmassiv zur Auslösung kommt. Mehr Aufschluss über die Schichtungsstabilität werden die Radiosondenaufstiege liefern, die in ca. einer Stunde erscheinen.

Mesoskalige Diskussion 10 UTC 09.06.2014

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Derzeit beeinflusst ein grenzschicht-entkoppelter MCS Teile von Belgien. Über Outflowboundaries konnte sich an diesem System sowie südlich davon eine Konvergenz entwickeln, an der an der deutschen Grenzregion neue Zellen triggern. Hinter dem System herrscht kompensierendes Absinken mit einer  Stabilisierung. Wenn der MCS ab Mittags die Luftmasse aus der Grenzschicht bezieht, könnte er ein deutliches „push-up“ erfahren und bereits am frühen Nachmittag über Nord-NL die Labilität nachhaltig abbauen.
Nachfolgende Zellen würden dann eher nach Osten Richtung Deutschland in die hier noch potentiell instabile Luftmasse ausscheren.
Über Frankreich entsteht entlang der Kaltfront bzw. an der unmittelbar vorgelagerten Feuchteflusskonvergenz neue hochreichende Konvektion.  Diese wird sich vor allem an dem südlich eingezeichneten Bodentief orientieren. Hieran besteht dann abends das größte Unwetterpotential mit dem erwähnten Ausbruch schwerer Gewitter. Die Numerik simuliert weiterhin übereinstimmend immens hohe CAPE Werte bis 3,5 kJ/kg in einem moderat bis stark gescherten Umfeld (SRH bis 300 J/kg!!!). Dies deckt sich mit den aktuellen Messungen der Bodenfeuchte (Mischungsverhältnis verbreitet 14 -15g/kg) in dieser Region, sodass die berechnten Labilitätswerte realistisch erscheinen.

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