Mesoskalige Diskussionen 2015

Mesoskalige Diskussion 30.08.2015

Originalbildquelle: www.wetteronline.de

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Südlich einer quasistationären Front, die von Großbritannien bis nach Dänemark verläuft, hat sich eine potentiell gefährliche konvektive Situation entwickelt. Der 12 z Radiosondenaufstieg von Essen zeigt 1800 J/kg ML CAPE in einer gut gescherten Umgebung. Auch im Trappes Sounding erkennt man eine potentiell instabile Schichtung mit 900 ML CAPE und einer lehrbuchhaften entkoppelten Mischungsschicht (elevated mixed layer, EML). Auch hier sind wegen der Nähe zur Front hohe Scherungswerte abzulesen. Ferner erstreckt sich südlich der Luftmassengrenze eine Bodenkonvergenz (orangene Linie) vom Münsterland über Be-Ne-Lux bis in die Bretagne, wo zusätzlich leichtes QG-Forcing vorderseitig eines Randtroges dynamisch wirksam ist. Sowohl EZMWF als auch GFS berechnen bei nahezu wolkenfreiem Himmel einen weiteren Aufbau der Labilitätsenergie mit Spitzen von 3000 J/kg am Abend. Die entscheidene Frage ist, ob die Vertikalbewegungen an der Konvergenz ausreichen um Konvektion auszulösen. Am wahrscheinlichsten ist dies nach einer Reduktion von CIN gegen Abend (16-18 UTC). Dann rechnen wir im grün-gepunkteten Bereich mit der Entwicklung von Einzelzellen. Diese werden aufgrund der günstigen kinematischen Rahmenbedingungen rasch langlebige Mesozyklonen entwickeln und sich im weiteren Verlauf womöglich zu einem MCS organisieren (hohes Delta Theta E). Innerhalb der Konvektion ist mit großem bis sehr großem Hagel (vereinzelt >5 cm) und schweren Sturmböen zu rechnen. Das Tornadopotential sollte zwar aufgrund des hohem Kondensationnsiveaus niedrig bleiben – wegen der deutlich erhöhten LLS ist vor allem in Frontnähe ein Tornado nicht ausgeschlossen. Auch die Vormittagskonvektion über der Nordhälfte Deutschlands sollte hinsichtlich des Tornadopotentials nicht außer acht gelassen werden: Der Hohe Feuchteinput durch die konvektiven Niederschläge könnte für ein niedrigeres LCL sorgen, als von den Modellen berechnet wurde. Daher ist ist wichtig, die Situation weiterhin genau im Auge zu behalten.

Mesoskalige Diskussion 07.08.2015

Originalbildquelle: www.wetteronline.de

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Im Severe Threat 1 des aktuell aktiven Convective Outlook hat sich nun hochreichende Konvektion über Frankreich und Südbelgien entwickelt. Dabei gibt es drei Konvektionsschwerpunkte mit unterschiedlichen Hebungsantieben:

1. Eine Konvergenzzone, die sich diagonal über Deutschland bis nach Frankreich erstreckt (lange orangene Linie) und mit Orographie wechselwirken konnte
→ Konvektion über Ostfrankreich
2. Eine Outflowboundary, die aus der durch die Konvergenz getriggerten Konvektion hervorgegangen ist (kleine hellblaue Linie über Frankreich)
→ Konvektion über Nordfrankreich
3. Hebung in der mittleren Troposphäre, an der sich manifestierenden Kaltfront
→ Konvektion über Südbelgien

Wir rechnen mit einer weiteren räumlichen Organisation und Nordostenverlagerung der Zellen, die Deutschland und auch NRW innerhalb der nächsten 2 – 3 Stunden erfassen sollte. Bei geschätzten 500 -1000 J/kg ML CAPE und moderater hochreichender Windscherung (~20 m/s DLS) wird es sich meist um Einzel- oder Multizellen handeln. Eine Superzellenenentwicklung ist eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen.
In den Zellen besteht lokales Unwetterpotential vor allem durch Starkregen bis 30 l/m² und kleinem bis mittelgroßem Hagel (1-3 cm). Auch einzelne Sturmböen können auftreten. Am späten Abend wird zunächst (Süd)west NRW, im Laufe der Nacht auch das östliche NRW betroffen sein.

Mesoskalige Diskussion 24.07.2015

Originalbildquelle: www.wetteronline.de

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Entlang einer Warmsektorkonvergenz (orangene Linie) konnte sich über Ost-Frankreich erste Konvektion entwickeln, welche allerdings nur sporadisch blitzaktiv ist und zumindest derzeit nur ein geringes Unwetterpotential birgt. Wir rechnen jedoch in den kommenden Stunden zusehens mit einer linearen Organisation der Konvektionszellen. Dabei übernimmt die Konvergenz, wie bereits im Outlook beschrieben, die Rolle der primären Kaltfront und verlagert sich nordostwärts. In den stärksten konvektiven Entwicklungen sind schwere Sturmböen um 10 bft zu erwarten. Eng begrenzt können auch noch höhere Windgeschwindigkeiten nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Kleiner bis mittelgroßer Hagel sollte eher die Ausnahme bilden – auch unwetterartiger Starkregen ist aufgrund der schnellen Verlagerungsgeschwindigkeit der Zellen eher unwahrscheinlich. Der voraussichtlich am stärksten betroffene Bereich wurde grün eingekreist.
Auch über Südwestdeutschland (v.a. an der schwäbischen Alb ) konnte sich mittlerweile Konvektion entwickeln. Aktuell bergen die Zellen vor allem aktuell erhöhtes Großhagelpotential. Auch lokale Überflutungen durch heftigen Starkregen sind wahrscheinlich. Gegebenenfalls verclustern sich die Zellen unter zunehmend günstiger Umgebungskinematik zu einem MCS, der sich in der Nacht nordostwärts verlagern könnte.

Mesoskalige Diskussion 17.07.2015

Originalbildquelle: www.wetteronline.de

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Mitteleuropa befindet sich vorderseitig eines Tiefs bei den britischen Inseln in einer südwestlichen Grundströmung. Die Kaltfront des Tiefs schleift derzeit an der Küste des europäischen Festlands entlang, wobei ihre Wetteraktivität aufgrund einer allgemein trockenen Luftmasse sowie einer verhältnismäßig stabilen Frontumgebung stark eingeschränkt ist. Präfrontal kann es allerdings ungestört einstrahlen, sodass die Temperaturen in NRW verbreitet mehr als 30 °C erreicht haben. Das 12 UTC Sounding von Essen zeigt mit 600 J/kg ML CAPE bzw. 1100 J/kg SB CAPE überraschend viel Labilitätsenergie, wobei allerdings die trockene Grenzschicht mit in Betracht gezogen werden muss. Thermisch induzierte Auslösung von Konvektion ist somit sehr unwahrscheinlich. Lediglich entlang einer Warmsektorkonvergenz konnte sich mit zusätzlicher orographischer Unterstützung über Süddeutschland und dem Alpenraum hochreichende Konvektion entwickeln.

Interessant könnte es in dem grün umrandeten Sektor werden, wenn sich ab den späten Abendstunden die Kaltfront nähert. Mit zusätzlich ansteigender Bodenfeuchte (Mischungsverhältnisse unmittelbar präfrontal aktuell > 10 g/kg) ist dann mit der Bildung einzelner Multizellen zu rechnen wie es u.a. auch von WRF 4km angedeutet wird. Diese verlagern sich mit der Kaltfront nordostwärts. Aufgrund der erhöhten Baroklinität entlang der Front simulieren die Modelle hohe DLS Werte von z.T. Mehr als 25 m/s über Be-Ne-Lux und Teilen Nordwestdeutschlands. Da zudem auch die 0-3 km Scherung eine steigende Tendenz aufzeigt ist durchaus mit einer gebrochen-linearen Organisation der Zellen zu rechnen. Dann besteht eng begrenzt Unwetterpotential durch lineare Starkwindereignisse. Auch kleiner Hagel kann auftreten.

Mesoskalige Diskussion 05.07.2015

Originalbildquelle: www.wetteronline.de

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Die Konvektion, die derzeit über NRW aktiv ist (Gewittersymbol), verlagert sich nordostwärts. Dahinter ist es aufgelockert und leicht bewölkt, sodass die Temperaturen strahlungsbedingt ansteigen können. Damit erhöht sich in den kommenden Stunden die potentielle Instabilität. Die Kaltfront liegt noch über Frankreich und wird den Westen Deutschlands voraussichtlich im Nachmittagsverlauf erfassen. Dann ist mit der in unserem Convective Outlook beschriebenen Unwetterentwicklung zu rechnen. Der aktuelle GFS Modelllauf entschärft das Ganze aber dahingehend, dass CAPE nicht mehr so hoch berechnet wird, wie zuvor. Trotzdem deutet das Modell weiterhin eine intensive Windentwicklung mit der Option auf ein intensives Bow Echo an. Durch den Feuchteinput der aktuell aktiven Gewitter sollten die LCLs später relativ niedrig sein (unter 1000 m), was das erhöhte Tornadopotential zusätzlich untermauert. Die am stärksten betroffene Region wurde eingekreist.

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