Synoptische Analysen 2014

Kurzes NowCast-Update zu HILTRUD

Bildquelle: www.sat24.com, mit Ergänzungen

Bildquelle: www.eumetrain.org, dargestellt ist die Höhe der 2 PVU Fläche im θ-System (K)

 

HILTRUD befindet sich aktuell auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Defakto bedeutet dies, dass sich die Zyklone nun nicht mehr weiter vertieft, vor allem da die Warmluftadvektion in den Kernbereich zusehens abreißt. Daher nehmen die durch freiwerdene latente Wärme forcierten Hebungsprozesse (Stichwort : Diabatenterm der ω-Gleichung) nun allmählich ab. Auch die gestern thematisierte Überlappung von DPVA und WA ist nicht mehr gegeben. Nichtsdestotrotz stellt HILTRUD auf dem Satellitenbild einen wahren Augenschmaus dar. Das liegt primär an der sehr ansehnlichen Frontenstruktur, welche sich auch durch den mittlerweile vorhandenen Dryslot (DS im 1. Bild) entwickeln konnte. Letzterer wird im 2. Bild von eumetrain.org durch reduzierte Wasserfampfwerte im WV-Kanal und durch hohe Werte an PV indiziert.

Hinsichtlich der Niederschläge zeigt sich, dass die Temperaturen im westdeutschen Flachland vielfach zu hoch sind (1-2°C), um den Erhalt einer nennenswerten Schneedecke zu garantieren. Daher hat im Rheintal und an den Nebenflüssen vielfach leichtes Tauwetter eingesetzt. Am Oberrhein ist es mit rund 4 °C (Südwestwind) generell zu mild für Schnee. Im Bergland oberhalb von 300 Metern konnten hingegen bis jetzt verbreitet 10-15 cm Neuschnee fallen. Bis zum Abend und auch in der kommenden Nacht ist vor allem in den Staulagen von Westerwald, Taunus und Schwarzwald mit weiterem Schneezuwachs bis zu 15 – 20 cm zu rechnen. Dabei kann es aufgrund des starken bis stürmischen Windes zu starken Schneeverwehungen kommen. Das Schneefallgebiet über dem Nordwesten, welches die Back-Bend-Warmfront markiert, wird sich in den kommenden Stunden mit dem Tief langsam nach Süden verlagern und zum Abend auch in der Eifel für erneuten leichten bis mäßigen Schneefall sorgen. Auch im Flachland sollte der Schnee vor allem am Nordrand des Niederschlagsgebietes ab dem Spätnachmittag liegen bleiben, wenn mit dem weiterhin böigen Ostwind allmählich kältere Kontinentalluft advehiert wird. Somit rechnen wir von Ostwestfalen bis ins Rheinland bis 21 UTC auch ind en tiefsten Lagen mit rund 5 cm Neuschnee, der dann den Verkehr in den Ballungszentren beeinträchtigen wird.

Kurze synoptische Diskussion zum Schneetief HILTRUD


Bildquelle: www.sat24.com, mit Ergänzungen

 

Das Tief HILTRUD konnte sich südlich eines recht zonal orientierten Jetstreaks in einer baroklinen Zone entwickeln. Von besonderem synoptischen Interesse ist dabei die lehrbuchhafte Phasenverschiebung von pi/2 von Geopotential- und Temperaturwelle. Diese Konfiguration gewährleistet die für eine Zyklogenese notwendige Umwandlung von potentieller in kinetische Energie. In Bezug auf den QG-Ansatz äußert sich dieser Prozess in einem guten Überlappen von maximaler Warmluftadvektion und differentieller zyklonaler Vorticityadvektion, was in Vertikalbewegungen resultiert.
Die Frontenstruktur von HILTRUD (siehe Satbild) zeigt recht eindeutig eine Back-Bent Warmfront und eine frontogenetische Kaltfront, welche sich allerdings erst in den letzten Stunden manifestieren konnte. Zuvor handelte es sich bei HILTRUD um eine reine Warmfrontwelle. Die Existenz einer Back-Bend-Warmfront wird auch durch die horizontale Theta-e Verteilung recht gut bestätigt.

In den kommenden Stunden ist mit einer weiteren Vertiefung von HILTRUD zu rechnen, wobei der Kerndruck der Bodenzyklone von aktuell 1008 hPa auf rund 997 hPa um 3 UTC fällt. Die mit den Hebungsvorgängen korrelierenden Niederschläge werden sich vornehmlich and er Warmfront weiter verstärken und den Westen Deutschlands in der kommenden Nacht erfassen. Dabei stellt sich natürlich die Frage nach Niederschlagsform und Intensität. Da HILTRUD eine vergleichsweise kleine Zyklone darstellt, sind auch die Modellvarianzen in Bezug auf die Zugbahn des Tiefs größer als bei „Standardzyklonen“ mit einer Erstreckung von mehr als 1000 km.
Recht sicher scheint jedoch, dass der Niederschlag in nahezu allen Höhenlagen zunächst als Schnee fällt. Obschon die Temperaturen zu Beginn des Niederschlags noch leicht im Plus liegen werden, ist mit einer raschen Abkühlung auf 0 °C (auch im Tiefland) zu rechnen. Dieser Prozess der Niederschlagskühlung ist auf das „Verbrauchen“ von Schmelzwärme zurückzuführen. Auf der Südflanke des Tiefs (Saarland, Süd-RLP, Nordwest-BaWü) dreht der Wind hingegen kurzzeitg auf Südwest, womit mildere Atlantikluft advehiert wird. Dann kann die Schneefallgrenze vorübergehend auf 200-400 m ansteigen. Weiter nördlich und Östlich (Hessen, nördliches Rheinland, Kölner Bucht, Niederrhein) rechnen wir aufgrund des vorherrschenende Südostwindes in den tiefsten Lagen zwar nicht mit Übergang des Schnees in Regen, es wird sich aber vorwiegend um nassen Schnee handeln, der aufgrund der leicht positiven bodennahen Temperaturen auch nicht sofort liegen bleiben wird.
Insgesamt ergeben sich folgende Schneehöhenabschätzungen bis zum 28.12. 00UTC : Tiefland im Westen und Südwesten: 5-10 cm (Provinzregionen mehr als Innenstädte), Höhenlagen ab 200 m: 15cm, Staulagen von Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus: 20 cm und mehr.

UPDATE zu QUMAIRA

Aktuelle Messungen zeigen wie erwartet ein kleines jedoch recht intensives Sturmfeld an der Südseite des Kernbereichs der Zyklone. Die dabei verzeichneten Windgeschwindigkeiten sind rund 10-15 km/h stärker als berechnet. So wurde in der vergangenen Stunde bei Paris eine orkanartige Böe von 111 km/h registriert (Quelle: Meteomedia). Das Sturmfeld verlagert sich in der Folge weiter nach Nord-Nordost, wobei vor allem der äußerste Westen Deutschlands (Niederrhein) betroffen sein wird. Hier sind in anbetracht der gegenwärtigen Entwicklung durchaus Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h möglich. Die UWZ reagiert entsprechend mit einer Erhöhung der Warnstufe auf rot. Primär in diesen Regionen, aber auch generell in Westdeutschland ist also Vorsicht bei Unternehmungen  im Freien geboten.

Tief QUMAIRA…


Bildquelle: www.sat24.com

…befindet sich aktuell vor der Bretagne und wird vor allem die französische Küste in den kommenden Stunden mit Orkan(artigen)-Böen beeinflussen. Die Warmfront des Tiefs hat bereits den Westen Deutschlands erfasst und verlagert sich mit dem Tief nach Norden. Postfrontal fließt eine sehr milde subtropische Luftmasse ein.
An der am morgigen Freitag nachfolgenden Kaltfront is mit wenig Wetteraktivität zu rechnen (Katafront). Nichtsdestotrotz wird an der Südseite des Tiefs auch morgen noch ein ansehnlicher Druckgradient berechnet, sodass wir, wie auch die gängigen Wetterdienste, zumindest auf die erhöhte Sturmgefahr hinweisen wollen. Dies betrifft in erster LInie die Region vom Schwarzwald über den Niederrhein bis in den Norden Schleswig-Holsteins, wo im Flachland Sturmböen bis 75 km/h denkbar sind. An der Grenze zu Belgien und den Niederlanden sind auch einzelne schwere  Sturmböen bis 90 km/h nich auszuschließen. Exponiert sind wie immer die Bergregionen oberhalb von rund 500 Meter, wo verbreitet schwere Sturmböen, vereinzelt auch orkanartige Böen zu erwarten sind.

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