Chasingbericht vom 09.05.2014

Es gibt Tage an denen klappt einfach alles. So erging es zumindest uns am 09.05.2014.

Bereits in den vergangenen Tagen griffen immer wieder Randtröge auf Deutschland über und bestimmten hierdurch das Wettergeschehen auch über NRW.
Aufgrund der hohen Dynamik und einfließender Höhenkaltluft stellte sich für den Freitag eine warnwürdige Lage für NRW ein, sodass ein Outlook von uns verfasst wurde.
Dabei lag bis zum Freitagmorgen ein bereits okkludiertes Frontensystem östlich von Deutschland, welches nur noch langsam weiter Richtung Osten propagierte. Zu Beginn des Freitags lag Deutschland in einer annähernd zonalen, westlichen Höhenströmung. Über Südengland befand sich jedoch der nächste Randtrog, welcher sich in den kommenden Stunden, unter nur leichter Vergrößerung seiner Amplitude, nach Mitteleuropa verlagert hatte. Eingelagert in dem Trog befand sich ein kräftiger Jetstream sowie eine dazugehörige Dry-Intrusion, so dass auch noch im Mid-Level Bereich  hohe Windgeschwindigkeiten vorzufinden waren. Bis zum Abend hin verlagerte sich der Randtrog weiter Richtung Westdeutschland, sodass zum Abend hin maximale Werte der IPV, von 9PVU, genau über Nord-Westdeutschland vorzufinden waren.
Durch die einströmende trockene  Höhenkaltluft stellte sich wieder eine Instabilität ein, bei der sich Cape Werte von 500 bis 600 J/Kg bilden konnten. Hierbei gelangte auch in 500 hpa die -25°C Isotherme nach Deutschland und es konnten sich lapse rate`s von bis zu 7 K/Km aufbauen. Dabei fungierte die eintreffende Kurzwelle durch DPVA als Hebungsantrieb. Zusammen mit erhöhten Scherungswerten in den ersten 0-6 km ( DLS bis zu 30 m/s) war also das Potential für gut organisierte und kräftige Gewitter gegeben, wobei die höchste Gefahr aufgrund der schnellen Verlagerung nicht bei Starkregen, sondern eher bei Sturmböen lag. Außerdem war wegen einem geringen LCL von < 1000 m sowie erhöhten 0-1 km LLS-Werten von >10 m/s ein leicht erhöhtes Tornadopotential vorzufinden.

So bildeten sich gegen Mittag in den Niederlanden kräftige Gewitterzellen, welche im weiteren Verlauf nach Westdeutschland zogen.  Diese trafen dann vor allem den Nordwestlichen Teil  von Nordrhein-Westfalen, das Ruhrgebiet und das Sauerland sowie den Norden von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Hierbei trat dann lokal kurzzeitiger Starkregen, kleinkörniger Hagel um die 2 cm sowie stürmische Böen um die 80 km/h auf. Gegen Abend konnte sich dann aufgrund des gegebenen dynamischen Windfeldes noch ein linienartiges Niederschlagsgebiet aus den Niederlanden nach Westdeutschland verlagern.  In der Nacht nahm dann die Blitzaktivität jedoch schnell ab. Außerhalb der Gewitter kam es aufgrund des hohen Druckgradienten auch so zu kräftigen Böen in ganz Deutschland, welche verbreitet 55 km/h erreichten.
Auch wir haben uns an diesem Tag entschieden unser Glück zu versuchen, sodass sich Teile des Teams Rhein-Sieg und des Teams Niederrhein zum gemeinsamen Chasen gegen Mittag in Mönchengladbach trafen. Später fuhr auch noch das Team Sauerland raus.
Nachdem die Ausrüstung im Auto verstaut wurde, verlor man keine weitere Zeit mehr, da die ersten Zellen bereits den Nordwesten NRW`s erreicht hatten. Genau diese Region steuerten wir dann auch mit dem Ziel Kevelear an. Nach genauerer Lagebetrachtung entschieden wir uns dafür einen Platz ganz in der Nähe des Flughafens Weeze aufzusuchen, wobei wir feststellen mussten, dass wir zeitlich bedingt die ersten Zellen nicht mehr abfangen konnten. Jedoch war es  möglich Fotos von deren Rückseite machen zu können. Dabei stellte der Tiefschwarze Niederschlagskern und die von der Sonne angestrahlten, sattgrünen Wiesen einen tollen Farbkontrast da.

Bildquelle: WetterOnline

Da von Westen her bereits eine weitere Zelle, mit konstant bleibender Blitzfrequenz, auf uns zu zog, entschieden wir uns dazu an dieser Stelle zu bleiben und diese abzufangen. Man musste nicht allzu lange warten, bis erste Strukturen am Horizont zu erkennen waren. Als die Zelle immer näher auf uns zu zog zeigte sich eine wunderbar ausgeprägte Böenfront, welche solang wie möglich ablichtetet wurde, ehe man Schutz im Auto suchte. Kaum im Auto angekommen erreichte uns der Kern, welcher außer starken Böen um die 80km/h auch kleinkörnigen Hagel mit bis zu 2cm mit sich brachte.


Sicherheitshalber verlagerten wir uns ein wenig nach Südwesten um so aus dem Niederschlagsbereich zu kommen. Dabei stellten wir fest, dass ein weitere Verfolgung aufgrund der schnellen Verlagerung nicht möglich war. Dies sollte jedoch kein Problem darstellen, da weiter Südwestlich eine Neuentwicklung für uns interessant wurde. Aufgrund des erstens Erfolges war das Jagdfieber endgültig entfesselt und man verlagerte zügig in die Nähe von Brüggen. Dabei lag das Hauptaugenmerk zu diesem Zeitpunkt  eigentlich auf ein weit ausgedehntes Niederschlagsgebiet mit hoher Blitzfrequenz, welches sich an der Westküste der Niederlande befand. Da jedoch noch Zeit war bis dieses Deutschland erreichte nahm man die Neuentwicklung gerne mit, was sich im weiteren Verlauf als sehr gute Entscheidung herausstellen sollte.
Währrenddessen konnte das Team Sauerland bei Meschede die Zelle abfangen, welche die anderen Teams anfangs bei Kevelaer gesehen hatten.

Bei Ankunft in Brüggen bauten wir Kamera und Stativ auf. Der Standort erwies sich als gut, da die Zelle immer weiter in unsere Richtung scherte. Zu sehen bekamen wir dann die zweite Böenfront des Tages, von der wir uns überrollen ließen. Vor allem die Anzahl der Erdblitze war beachtlich und nett zu betrachten.

 

Gebannt blickten wir nun, was noch aus den Niederlanden zu uns kam. Dabei konnte sich die Zelle  von der Westküste linienartig organisieren, wobei die Blitzfrequenz jedoch abgenommen hatte. Wir verlagerten uns zu einem altbekannten Chasingpoint in der Nähe von Grefrath um diese abzufangen. Auf dem Weg dorthin, konnten wir noch die Rückseite der gerade durchgezogenen Zelle beobachten.


Kaum bei Grefrath angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass das System kaum noch blitzte. Da es jedoch nicht mehr lange dauern würde bis es uns erreichte entschlossen wir uns dazu es dennoch abzufangen. Denn was wir zu sehen bekamen war die dritte Böenfront des Tages.

Bildquelle: WetterOnline

Vor allem deren Ausdehnung war beachtlich. Mit einsetzender Dunkelheit wären einige Blitzfotos noch ganz nett gewesen, aber nach drei Volltreffern an einem Tag war man hochzufrieden. Da nun die Luft raus war, beendete man anschließend aüßerst glücklich ein sehr erfolgreiches Chasing.

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