Convective Outlook 05.07.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 05.07.2012, 06Uhr UTC
bis:   06.07.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Eine nicht ganz eindeutige, jedoch nicht zu verleugnende Omega-Lage ist für weite Teile Europas wetterbestimmend. Die dadurch resultierende „Blocking-Action“ verlangsamt die Westwinddrift und sorgt für meridionales Austrogen über dem Atlantik, welches in einem Cut-Off-Prozess mündet.

Das resultierende eigenständige Höhentief bleibt auch in den nächsten Tagen quasi-stationär, wobei sich Mitteleuropa auf seiner Vorderseite befindet. In einer schwachgradientigen Atmosphäre bestimmen mehr diabatische denn advektive Vorgänge das Geschehen. Da die Isohypsenkrümmung im allgemeinen jedoch zyklonal ist, kann tagesbedingte Konvektion nicht unterdrückt werden.

 

Mesoskalige Diskussion

Schwacher antizyklonaler Einfluss sorgte heute für allgemein ruhiges Wetter, obschon einzelne Gewitterzellen in Alpennähe nicht „verhindert“ werden konnten. Gegenwärtige Satellitenbilder lassen außerdem über Frankreich eine labile Luftmasse vermuten, da auch hier Konvektion aktiv ist. Die 12z Soundings bestätigen den Verdacht mit rund 1000 SB-CAPE (Konvektion ist grundschichtabhängig).

Nach einem nächtlichen Abebben der Konvektion ist morgen bereits ab den Mittagsstunden mit der Ausbildung neuer Cbs zu rechnen, wobei sich die Hauptaktivität weiter nach Osten verlagert.

Primär der Westen und Südwesten Deutschlands sollte dabei im Vordergrund liegen. Da die CTs von rund 25 °C nahezu überall erreicht werden, ist wie auch heute verbreitet mit thermischer Auslösung zu rechnen, wobei den Zellen rund 1500 CAPE zur Verfügung stehen.

Zyklonale Isolinien in allen Schichten und tiefdruckrinnenartige Strukturen im Bodendruckfeld versprechen außerdem kaum konvektionshemmende Absinkinversionen.

Bezüglich der atmosphärischen Kinematik lassen sich kaum Indizien für organisierte und langlebige Konvektion finden (SRH nahe 0, DLS allenfalls 12 m/s). Auch der schwache Deckel spricht eher für gemächliche und weniger explosive Zellentwicklungen.

Lediglich über Be-Ne-Lux und Ostfrankreich forciert eine Bodenkonvergenz die Vertikalbewegung, sodass hier zusätzliche Antriebsparameter „anspringen“.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Be-Ne-Lux, Nordostfrankreich, (Süd-)Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Thermik, Orographie, später Konvergenz / meist gruppig

Trotz geringer Dynamik scheint diese Region für stärkere Entwicklungen begünstigt. Die Nähe zum Tief/ Trog, maximale Labilität, PW-Werte von mehr als 35 kg/m² sowie eine recht aktive Bodenkonvergenz begünstigen Impuls- sowie Multizellen, in denen die Hauptgefahr bei Hagel liegen dürfte. In erster Linie in den Mittelgebirgsregionen, sowie direkt an der aktivsten Stelle der Konvergenz ist auch größerer Hagel bis 4 cm denkbar. Hier wurde eine 15% Linie eingezeichnet.

Außerdem werden sich die Zellen aufgrund der schwachen Oberwinde nur langsam verlagern.

Örtlich sind dabei Training-Effekte möglich. Als Konsequenz sollte auch Starkregen (lokal mehr als 30 Liter in kurzer Zeit) als Gefahr erwähnt werden. Nach Sonnenuntergang ist mit einem raschen Abklingen der konvektiven Aktivität zu rechnen.

Restliche Regionen des Severe-Threat 1

Auslöseindikator / Zellmodus: Thermik, Orographie / meist gruppig

Auch sonst ist mit Erreichen der Auslösetemperatur mit hochreichender Konvektion zu rechnen, wobei das Unwetterpotential ein wenig geringer ist, als über den o.g. Gebieten, da eine Konvergenz als zusätzlicher Hebungsimpuls wegfällt.

Ein Severe Threat 1 (5%) besteht dennoch vor kleinem bis mittelgroßem Hagel (Bergregionen) sowie markantem Starkregen in langsamen Zellen und sich retrograd fortpflanzenden Zellen.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Globalmodelle rechnen im allgemeinen deckungsgleich. Mesoskalige Modelle wie UKMO NAE und WRF berechnen in der Nacht zum Freitag einen von Frankreich über Belgien wandernden MCS, der aber nicht mit in die Warnkarten eingeflossen ist. Wir denken, dass dynamische Hebung sowie Scherung zu gering sind, um ein solches System am Leben zu erhalten. Sollten sich die Modellberechnungen im Nowcastbereich dennoch bewahrheiten, wird ein Update erfolgen.

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