Convective Outlook 09.05.2014

bei Fragen zu den Convective Outlooks hilft unsere FAQ

[tabby title=“Kategorisch“]

[tabby title=“Hagel“]

[tabby title=“Wind“]

[tabby title=“Tornado“]

[tabbyending]

 

Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 09.05.2014, 00Uhr UTC
bis:   10.05.2014, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Gegenwärtig bestimmt immer noch eine zonale, leicht mäandrierende Westströmung die Großwetterlage in (Mittel-)europa. Dabei laufen flache Kurzwellentröge mit korrespondierenden Bodentiefs über das Vorhersagegebiet hinweg und gestalten das Wetter stark wechselhaft. Einer dieser Randtröge beeinflusst aktuell weite  Teile Deutschlands mit ausgedehnten Niederschlagsfeldern.

Am morgigen Freitag befinden sich Westdeutschland und Be-Ne-Lux hinter den Tiefs im Bereich des Trogsektors. Aufgrund dessen flacher Krümmung bleibt der Höhenwind weiterhin stark (Stichwort „Krümmungseffekt der ageostrophischen Windkomponente“), was in einer hohen atmosphärischen Dynamik resultiert. Bei gleichzeitig einfließender Höhenkaltluft sind recht verbreitet konvektive Umlagerungen zu erwarten, die vereinzelt unwetterartig ausfallen können.

 

 

Mesoskalige Diskussion

Nutzt man die aktuelle PV-Verteilung als Tracer für trockene Stratosphärenluft, so erkennt man auf dem Eumetrain Satreport auf dem Atlantik zwei „Dry Intrusions“ mit entsprechenden dunklen Färbungen im WV-Kanal. Diese in höheren Schichten trockene Luftmasse wird in den kommenden 24 Stunden nach Mitteleuropa transportiert, wobei sich bis morgen Nachmittag in den Modellen linksseitig eines kräftigen Jetstreaks eine durchaus ansehnliche PV-Anomalie über Norddeutschland bzw. Dänemark abbildet ( 8 PVU). Die damit verbundene Labilisierung sorgt für verhältnismäßig steile mittel-troposphärische Abnahmeraten von z.T. mehr als 7 K. Als Konsequenz ergeben sich bei gleichzeitiger Einstrahlung in erster Linie über dem Norden des Warnbereiches 300-500 Joule ML-CAPE. WRF liefert mit 700 J/kg sogar noch höhere Werte. Zwar ist das 850 hPa Theta-e Feld horizontal relativ homogen (keine Front) – zusätzliche Hebungsantriebe werden allerdings durch eine progressive Sekundärwelle geliefert. Auf ihrer Vorderseite simulieren die Modelle kräftige DPVA bzw. Q-Vektor-Konvergenz, wobei die genaue Terminierung (Zuggeschwindigkeit) der Störung noch nicht sicher ist.

Wir gehen momentan von einem recht phasen-gleichen „Timing“ von Kurzwelle und maximaler Labilität aus.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

 

Südniederlande, Nordbelgien, Westdeutschland (Nord-NRW, Südniedersachen)

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Kurzwelle / bogenförmig, linear / 12-18 UTC

 

Ein Severe-Threat 1 wurde herausgegeben, aufgrund der primären Gefahr von Starkwindereignissen und Tornados.

Aufgrund der eingangs genannten starken Strömung steht den Konvektionszellen besonders nach Süden hin ein hohes Maß an hochreichender Windscherung zu, wobei sich Labilität und Scherung gut überschneiden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Geschwindigkeitsscherung, wobei der Schervektor von West nach Ost zeigt. Die 0-6 km DLS beläuft sich dabei auf 18-30 m/s und die LLS erreicht Werte >10 m/s. Dabei sind die „besten“ Hodographen Richtung Niederrhein und im Münsterland zu finden , also in den Regionen, die sich am nächsten am Jet befinden. Ein geringes Maß an Richtungsscherung beschränkt sich laut Prognosesoundings von HIRLAM auf die unteren 1-2 km, was sich in erhöhter Helizität in dieser Schicht niederschlägt (100-150 J/kg).

Die Existenz von hoher 2-dimensinaler Scherung in Verlagerungsrichtung der Zellen lässt auf linear organisierte Konvektion schließen. Dabei wird derzeit von der Bildung einiger mehr oder minder blitzaktiver „Bow-Echos“ausgegangen, die sich parallel zum  Strom verlagern und sich mit leichtem Südwärtsimpuls fortpflanzen. Diese können, wie üblich, am Nordende flache Mesozyklonen ausbilden. Hier besteht auch das höchste Tornadopotential. Ansonsten liegt die Hauptgefahr bei linearen Starkwindereignissen innerhalb der „Bow-Echos“. Dabei sind vereinzelt Böen bis 10 bft nicht auszuschließen. Zur Zeit maximalen CAPEs liegt auch ein gewisses Hagelrisiko vor, auch weil die Tropopause stark abgesenkt ist (Hagel kann besser wachsen) und die Lapse-Rates hoch sind. Die Korngrößen sollten jedoch die 2cm selten überschreiten.

Nach Sonnenuntergang ist mit einem raschen Abebben der Konvektion zu rechnen. Einzelne entkoppelte Zellen können eventuell noch bis Mitternacht „leben“.

 

Alpenraum

Auslöseindikator / Zellmodus / Bezugszeitraum: Orographie / einzeln / 13-18 UTC

Einstrahlungs-bedingte Labilität von 200-400 CAPE, lässt im Tagesverlauf einzelne orographsich induzierte Gewitterzellen vermuten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich ein oder zwei Zellen ins Alpenvorland (nordseitig) verlagern. Dabei besteht ein leicht erhöhtes Hagelrisiko. Die konvektive Aktivität erlischt nach Sonnenuntergang.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die größte Unsicherheit liegt im Erreichen des simulierten CAPE. Fraglich ist, ob und wo es am längsten einstrahlt. Weitere Unstimmigkeiten liegen, wie im Text geschrieben, bei der Verlagerung bzw. der Position der Kurzwelle. Im Allgemeinen wird der Severe-Threat 1 für angemessen gehalten.

© Sturmjäger NRW 2011 - 2020 - Datenschutzerklärung - Impressum


Creative Commons Lizenzvertrag

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.
Frontier Theme