Convective Outlook 21.06.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 21.06.2012, 06Uhr UTC
bis:   22.06.2012, 00Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Mitteleuropa befindet sich derzeit im Bereich einer quasistationären Luftmassengrenze. Sie trennt bodennahe labile Subtropikluft im Süden von kühlerer und stabil geschichteter maritim-polarer Luft im Norden. Entlang der resultierenden Tiefdruckrinne konnte sich tagsüber hochreichende Konvektion entwickeln, wie ein Blick auf das Satellitenbild verdeutlicht. Dabei ist aktuell besonders der Süden Deutschlands sowie Teile Tschechiens und Österreichs betroffen, wo sowohl die Alpen als auch ein kleiner Kurzwellentrog für zusätzliche Hebungsimpulse sorgen.

Vor einem sich vom Atlantik nähernden Langwellentrog dreht die Strömung zurück und es setzt seichte Schichtdickenadvektion ein. Da der Prozess unter Absinken stattfindet wird sich die Aufgleitbewölkung jedoch in Grenzen halten. Morgen verlagert sich der Trog nach Großbritannien und bildet dann mit einem weiteren Gebiet niedrigen Geopotentials ein dipolartiges Höhentief.

Eine schwache Bodenzyklone mit korrelierendem Frontensystem greift hierbei auf das Vorhersagegebiet über.

 

Mesoskalige Diskussion

Bereits jetzt „schleift“ die besagte Bodenfront an der europäischen Westküste entlang. Präfrontal konnten sich einzelne schwache Gewitter entwickeln. Der Warmsektor überdeckt bis morgen Mittag den gesamten Warnbereich, wobei die 10-Grad Isotherme bis zur Nordseeküste vorstößt. Bei Theta E-Werten um 50°C setzt außerdem Feuchteadvektion ein. Die Taupunkte steigen unmittelbar vor der Front auf Werte von rund 16°C in Westdeutschland und bis zu 20 °C über Frankreich. Bei zunehmend labiler Schichtung ergibt sich ein mehr und minder schmaler Korridor mit 800 bis 1200 Joule ML-CAPE. Jegliche Konvektion wird (bis auf vorgelagerte orographische Auslösung) an der Front entstehen, da die Hebung hier aufgrund der konfluenten Bodenströmung am stärksten ist.

Nach Norden kommt, bedingt durch einen flachen Randtrog, außerdem noch kräftige PVA hinzu.

Bei moderater DLS (15-20 m/s) und rechtsdrehender Höhenströmung (Veering) sollte es ab dem Mittag über Frankreich und Belgien zur Entstehung einiger Gewitterzellen kommen. Sie werden sich an der Front orientieren und am Abend Westdeutschland erfassen. Es sind Unwetter zu erwarten.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Südbelgien, Nordfrankreich

Auslöseindikator / Zellmodus: Kaltfront / einzeln und gruppig, später linear.

Bis zu 1200 CAPE, Delta-Theta-E von rund 15 K und hohe Lapse-Rates sind ein Indiz für eine ausgeprägte eine EML, sodass die Zellen besonders in ihrer Entstehungsphase hochreichende Aufwinde entwickeln können. Gepaart mit frontaler Dynamik kann auch die ein oder andere Mesozyklone nicht ausgeschlossen werden. Der Gefahrenfokus liegt somit bei Großhagel, was die 15%-Linie erklärt. Ob tatsächlich eine EML vorhanden ist, kann jedoch erst durch Radiosonden- aufstiege ermittelt werden.

Weiter Richtung Süden ist bei ähnlich viel CAPE weniger Forcing vorhanden. Trotzdem ist auch hier das Großhagelrisiko (besonders in Bergregionen) erhöht.

Nordbelgien, Teile von den Niederlanden, (Nord-)Westdeutschland

Auslöseindikator / Zellmodus: Kaltfront, linear

Nach ihrer Entstehung wird sich die Konvektion entlang der Kaltfront linienartig organisieren und nach (Nord)Osten vorankommen. Gegen 18z sollte sie die Westgrenze Deutschlands erreichen. Hier ist weniger mit Hagel, jedoch mit linearen Starkwindereignissen in Form von einzelnen Downbrusts zu rechnen. 0-3 km SRH von rund 150 J/kg, sowie ein absinkendes Kondensationsniveau bilden zudem gute Voraussetzungen für Tornados. Ein weiteres Argument für die Entstehung von Großtromben liegt in der abendlichen Stabilisierung der Grenzschicht, was den vertikalen Austausch abschwächt und somit die LLS erhöht (12 m/s). Die 5%-Tornadowahrscheinlichkeit sollte demnach gerechtfertigt sein.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Die Modelle simulieren die Situation im synoptischen Scale einheitlich. Nur die Geschwindigkeit der Kaltfront wird leicht unterschiedlich simuliert.

Ein Severe-Threat 1 wird für ausreichend gehalten. Mit Updates ist nicht zu rechnen.

Updated: 21. März 2014, 22:04 — 22:04
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