Convective Outlook 27.07.2012

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Gültigkeitsdatum:

gültig

vom: 27.07.2012, 06Uhr UTC
bis:   28.07.2012, 06Uhr UTC

 

Synoptische Ausgangssituation

Weite Teile Mitteleuropas befinden sich unter einem schmalen Höhenrücken in einer näherungsweise barotropen Atomsphäre. In 850 hPa verläuft die 15-Grad-Isotherme von Nordfrankreich über Mitteldeutschland bis nach Polen. In Bodennähe konnten daher recht verbreitet mehr als 30°C gemessen werden.

Zum Freitag verkleinert der Rücken seine Amplitude und verlagert sich langsam nach Osten. Indes rückt ein Langwellentrog über dem Ostatlantik ins Augenmerk. Die trogvorderseitig befindliche Tiefdruckrinne kann am Freitag schrittweise Einfluss auf den Vorhersagebereich nehmen, sodass die Strömung zyklonal wird. In der potentiell instabilen Luftmasse nimmt daher die Gewitterbereitschaft zu.

 

Mesoskalige Diskussion

Im Mesoscale entpuppt sich die Vorhersage der Wetterlage als sehr schwierig. Die in der Tiefdruckrinne eingelagerte Kaltfront bzw. Konvergenz besitzt eine starke Neigung und hat Anacharakter, was Wellenbildungen an ihr begünstigt. Im Bodenwindfeld sind vor allem zum Abend viele Inhomogenitäten und flache Tiefs zu erkennen, die eine eindeutige Prognose für etwaige Gewitter deutlich erschweren. Relativ sicher scheint dagegen der allgemein hohe Labilitätsgrad der Luftmasse, wie die Prognose-Temps von HIRLAM verdeutlichen.

Demnach sind bei einer feuchtlabilen Mid-Layer (500 hPa-Lapse-Rates bis 20 K) verbreitet 800-1000, lokal 1200 Joule ML-CAPE denkbar.

Eine zunächst noch präsente „Capping-Inversion“ sollte jegliche Konvektion zunächst unterdrücken. Erst zum Spätnachmittag/Abend, wenn der Deckel ausreichend gehoben wurde, kann sich, vor allem orographsich bedingt, hochbasige Konvektion entwickeln.

Auch vom nördlichen Emsland bis nach Ostfriedland sind an einem flachen Tief lokale Zellentwicklungen zu erwarten.

Hier forcieren schwache PVA-Felder zusätzlich den Hebungsantrieb.

Nach einem Abnehmen der konvektiven Aktivität nach Sonnenuntergang, ist im Laufe der Nacht mit Annäherung eines Randtrogs von Westen her erneut mit Gewittern zu rechnen. Zunehmende Scherung garantiert dann ein längeres Überleben der einzelnen Zellen, die sich verclustern und einen MCS formen können. Genaueres dazu in den Regionalisierungen.

 

Begleiterscheinungen / Gefahren

Nordwestdeutschland (Emsland/Ostfriesland)

Auslöseindikator / Zellmodus: Bodentief / meist gruppig

Wenngleich feinmaschige Modelle wie WRF-HighRes für diese Region keine Konvektion berechnen, so scheinen Gewitter hier jedoch recht wahrscheinlich. Auslöseindikator ist, wie oben erwähnt, ein Bodentief, das sich an einer Konfluenzzone gebildet hat. Außerdem sind Scherungswerte aufgrund der etwas günstigeren Lage zum Trog (als die südlichen Gebiete) leicht erhöht bis moderat (Bulkshear: 15 m/s), sodass 1 oder 2 gut organisierte Multizellen denkbar sind.

Bei CAPE-Werten um 1000 J/kg und hohen Mid-Level-Lapse-Rates liegt dann die Hauptgefahr bei Großhagel. Aufgrund des allgemein hohen LCLs sind zudem lokale, trockene Downbursts nicht auszuschließen. Die konvektive Aktivität nimmt nach Sonnenuntergang ab.

Bergländer West- und Südwestdeutschlands (Eifel, Hunsrück, Sauerland, Weserbergland, Schwarzwald)

Auslöseindikator / Zellmodus: Orographie / meist gruppig

Gegen Abend können sich orographisch bedingt Konvektionszellen entwickeln, die lokal Großhagel produzieren können. Überadiabatische AGL-Lapse-Rates (~12k) und ein hohes LCL lassen außerdem lokal trockene Downbursts vermuten.

Westdeutschland (nach 00z des Folgetages)

Auslöseindikator / Zellmodus: Kurzwellentrog / gruppig, MCS

Einige Modelle berechnen für die Nacht zum Samstag einen MCS über dem Vorhersagegebiet,der auf einen von Westen durchschwenkenden Sekundärtrog zurückzuführen ist.

An ihm wird die Kaltfront reaktiviert und ist dann mehr dynamischen als thermischen Prozessen unterlegen. Entkoppelte Konvektion über Nordfrankreich könnte sich rasch verclustern und ein Cluster gut organisierter Konvektion formen. Je nach Zugbahn wären entweder Nordfrankreich und BENELUX oder Nordfrankreich und Südwestdeutschland betroffen. Viel hängt von der Zugbahn der Kurzwelle ab.

 

Modellkonsistenz und ergänzende Hinweise

Obschon die Gesamtlage von den operationellen Modellen als konsistent berechnet wird, finden sich wie so oft im Mesoscale noch große Differenzen. Diese beziehen sich primär auf den eventuellen MCS in der Nacht zum Samstag. Die Vergangenheit hat gelehrt, dass solche konvektiven Systeme nur sehr schwer vorherzusagen sind.

Im Moment denken wir, dass ein Severe-Threat 1 der Gesamtsituation gerecht wird. Die 50- Prozentlinie wurde sicherlich zu großzügig eingezeichnet – sie soll jedoch vor allem die Gebiete mit höherer Gewitterbereitschaft von denen mit eher niedrigem Gewitterpotential abgrenzen. Die 50% sind also nicht wörtlich zu nehmen.

Aufgrund der erwähnten Unsicherheiten behalten wir uns die die Option auf ein Update vor.

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