Stormchasing – Ein Kinderspiel ?

Während in den USA die Chasingsaison bereits in vollem Gange ist und eine Gewitterlage die nächste jagt, kann von jagen in Deutschland noch nicht die Rede sein.

Grund genug diese Ruhe vor dem Sturm auszunutzen, und den Begriff Stormchasing einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

So manch einer wird sich fragen, was junge Menschen dazu bewegt, hunderte von Kilometern zurückzulegen und etliche Liter 1,70€-teuren Sprit zu verbrennen, nur um einem Gewitter hinterherzujagen.

Die Antwort ist einfach: Faszination.

Es ist faszinierend wie Cumuli aus heiterem Himmel emporsteigen; Es ist faszinierend wie sich eine Gewitterzelle einen gesamten Lebenszyklus durchläuft, um sich am Ende durch ihren eigenen Abwindbereich selber zu „töten“. Dynamik und Turbulenz, Kontinuität und Gleichmaß. Das sind die Größen die so perfekt harmonieren, so perfekt koexistieren und dabei schlichtweg faszinieren.

„Ok“, sagt sich der Laie. „Dann warte ich bis ich ein Radarsignal sehe, packe meine Kamera ein und fahre los – das kann doch jeder“.

Richtig, das kann jeder, aber es sind die oben genannten vier Größen, die einem Unerfahrenen sicherlich einen Strich durch die Rechnung machen. Alles andere fällt unter die Rubrik Anfängerglück.

Für ein erfolgreiches Chasing sind folgende Dinge Pflicht:

1. Auto (vollgetankt)

Eben so banal wie selbstverständlich ist der Besitz eines PKWs. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad chasen möchte, kann dies tun, sollte sich bei uns aber nicht über etwaige Schäden an Leib und Drahtesel beschweren.

2. Internet

Ohne Internet kein Chasing – mehr bleibt da nicht zu sagen.

3. GPS, Landkarte

Ohne Orientierung landet man schnell in Buxtehude.

4. Ausrüstung

– Kamera

– Stativ

– Messgeräte

– Warnwesten

– etc.

Selbst wenn man in Besitz all dieser Dinge ist, ist das aber noch lange keine Gewittergarantie.

Eine hinreichend genaue Analyse der Wetterlage sollte bereits im Voraus angefertigt werden, um eine grobe Chaseregion zu vereinbaren. Hilfreich sind dabei unsere öffentlich zugänglichen Convective Outlooks, die auch für andere Chaser als Anhaltspunkt dienen sollen.

Beim Chasing selbst ist eine klare Arbeitsaufteilung ratsam. Während sich der Fahrer ausschließlich aufs die Straße konzentriert (generell gilt: die StVO hat Vorrang!!!), kümmert sich der Rest der Mannschaft um Nowcasting und Navigation. Da sich die Zugbahn der Zellen für gewöhnlich nicht am Straßennetz orientiert, gibt es nicht immer eine Direktverbindung zur Zelle. Gekonntes Navigieren ist von Nöten.

Organisierte Zellen und ganz besonders Superzellen tendieren dazu eine Art Eigenleben zu führen. Sprich – sie verlagern sich nicht parallel zur Höhenströmung. Sie scheren aus und zwar immer zum Gebiet der höchsten Temperaturen, sowie zur stärksten negativen Drucktendenz.

Es ist nicht empfehlenswert in solch eine Zelle hinein zu fahren, ohne sich über eventuellen Hagel und Sturm zu informieren. Auch hier gilt: Je genauer die Vorarbeit, umso genauer kann man die Gefahren (Hagel, Wind, Starkregen, Tornados) bei der zu erwartenden Lage einschätzen.

Ist eine Zelle in Reichweite, positioniert man sich möglichst lange an deren Südende . Hier befindet sich der fotogene Aufwindbereich samt Mutterschiff und Wallcloud. Je nach Straßenlage kann man später einen Corepunch wagen, ein bisschen Spaß und Spannung muss schließlich auch sein.

Das wäre der Idealfall…

Da Gewitterlagen aber Nowcast sind und viele, auch lokalklimatologische Phänomene, eine Rolle spielen, ist nicht jeder Chasetag von Erfolg gekrönt. Als Sturmjäger muss man auch in der Lage sein, hunderte von Kilometern zurückzulegen, um außer eitel Sonnenschein nichts vor die Linse zu bekommen. Frustration muss also immer einkalkuliert werden. Aber gerade das macht den Reiz. Denn könnte man jede Gewitterzelle 1:1 vorhersagen, wäre Sturmjagd nicht das was sie ist – faszinierend.

Der Leser sieht: Stormchasing ist viel mehr als nur das sture und plumpe Jagen einer Gewitterwolke. Es ist vor allem Koordination, Orientierung, Können und das berühmte Quäntchen Glück. In diesem Sinne: Let’s rock the Chase!

Updated: 2. Februar 2014, 01:44 — 01:44
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