+++ USA-Ticker 2018 +++   (alle Uhrzeiten MESZ)

Tage 1 – 10 Tage 11 – 19
10:42 Uhr 16. Mai 2018

Tag 10 – Tornado(es) on the ground

Beim heutigen Live-Ticker Bericht ist es schwierig die richtigen Worte zu finden – die richtigen Worte dafür was wir vorgestern erleben durften. Letztendlich war es „nur“ ein Tornado, ein Maximum purer vertikaler Vorticity, materialisiert in einem auskondensierten Wolkentrichter. Für uns war es viel mehr – es war Mutter Natur in ihrer vollkommenen Form, ein exklusiver Moment, pure Faszination und der bisherige Höhepunkt unserer Tour.

Dem Tornado zuvor gegangen war eine lehrbuchhafte Mesozyklogenese nahe Geuda Springs, die wir zusammen mit einem Forschungsteam der Universität Oklahoma bestaunen durften. Das Team unter der Führung von Meteorologe Howard Bluestein nutzte ein mobiles Radarsystem zur Analyse der Reflektivitäten und der Rotation innerhalb der Gewitterwolke.
Spätestens als dann der sogenannte Rear-Flank-Downdraft (RFD, superzellen-rückseitiger Abwind) begann in den vorderen Bereich der Zelle vorzustoßen und sich um den Aufwind winkelte, wurde klar, dass das hier etwas Besonderes war. Als unmittelbar danach eine Tornadowarnung herausgegeben wurde, merkte man bei allen Beteiligen die steigende Nervosität. Zusammen mit etlichen anderen Chasern, die sich entlang der Straße positioniert hatten, verlagerten wir ein Stückchen nach Osten. Dort angekommen, bot sich uns ein Blick auf den sich herabsenkenden Funnel, der zumindest kurzzeitig bestätigen Bodenkontakt besaß.

Was in den kommenden drei Stunden folgte war eine Gewitterjagd, die wir so noch nie erlebt hatten. Die sich anfänglich langsam nach Südosten verlagernde Superzelle bliebt plötzlich stehen und bildete ein gewaltiges Mothership aus, das wir südöstlich von Arkansas City (Kansas) auf einem Hügel ablichten konnten. Unter ihrem gewaltigen Eisschirm feuerte die Zelle synchron zu ihren Updraftpulsen positive Wolke-Erd-Blitze, die in Kombination mit dem weichen Licht der untergehenden Sonne für eine fotografisch atemberaubende Szenerie sorgten.

Auch nach Sonnenuntergang lebte die Superzelle weiter und durchlief sogar noch einmal eine Intensivierung. Die tiefhängende Wallcloud wurde dabei immer wieder von Blitzen erleuchtet. Plötzlich war erneut klar: „Tornado on the Ground!“ Auch wenn der Wolkentrichter diesmal deutlich weiter entfernt war als der erste, war es dennoch ein unvergesslicher Moment, v.a. als sich kurz darauf erneut ein Funnel herunterschraubte und den Boden erreichte. 3 Tornados an einem Tag – wir konnten und können es nicht fassen. Deswegen sind wir hier! Das treibt uns an!

Heute sind wir auf den Weg nach Osten ins Texas Panhandle, um uns einmal mehr ein bisschen Magie zu gönnen. Ihr hört von uns!








 


23:12 Uhr 14. Mai 2018

Tag 8 und 9 – Panhandle Magic

Tag 8 für die Sturmjäger NRW in den Great Plains. Nach einer wiederholt kalten Nacht in einem Motel bei Oakley in Kansas, zog uns unsere Sehnsucht nach Gewittern wieder gen Süden. Von kühlen 13 Grad stieg die Temperatur sukzessive auf über 30 Grad an, welche wir kurz nach Verlassen der Hochnebeldecke erreichten. Unser Zielort lag im Texanischen Panhandle, welches seinen Namen durch die wie einen Pfannengriff („Panhandle“) geformte Bundesstaaten Grenze bekommt. Nahe des Ortes Booker erblickten wir einen eindrucksvollen Cumulus dessen Updraft Bewegung mit bloßem Auge zu erkennen war. Nach etwa einer Stunde realisierten wir jedoch, dass sich aus den kurzen Updrafts keine beständigen Formationen bilden würden, weshalb wir hinsichtlich der Lage am Folgetag entschieden bereits nach Woodward in Oklahoma zu verlagern.

Beim sonntäglichen Chase in der Grenzregion zwischen Texas und Oklahoma erwartete uns dann ein leicht erhöhtes Unwetterpotential. Eine Trockenfront im Westen, kühlere Luft im Norden und hochgradig instabile und feuchte Luft im übrigen Osten sorgten für eine explosive Mischung. Dementsprechend waren unsere Erwartungen an die hiesige Sturmjagd groß. Mit der Auslöse der ersten Gewitter zogen wir rasch vor die ersten Zellen und waren zunächst ernüchtert, da die Aufwinde schlecht ersichtlich waren. Weiter im Süden erblickten wir auf dem Radar mesozyklonale Strukturen und einen Zellsplit, welchen wir uns aus nächster Nähe anschauen wollten. Auf einer abgelegenen Straße präsentierte sich uns eine ausgeprägte antizyklonale Superzelle mit einem scharfkantigen Updraft. Unglaublich das sich nur wenige Meilen entfernt eine weitere rotierende Gewitterwolke befand. Keiner von uns hatte zuvor die Interaktion zweier unterschiedlich rotierenden Gewitterwolken beobachtet. Für uns alle ein unvergesslicher Moment. Um dem nahenden Großhagel zu entkommen entschieden wir uns zunächst nach Osten und im weiteren Verlauf wieder etwas nach Süden zu fahren. Dort entwickelten sich neue rotierende Aufwinde. Bei leichtem Regen der aus dem Eisschirm fiel beobachteten wir wie sich schöne Strukturen an der Unterkante der Gewitterwolke bildeten. Zu unserer Überraschung war die Rotation bereits wenige Meter oberhalb des Bodens zu erkennen. Eine unmittelbare Vorstufe eines Tornados. Aufgrund umliegender Zellen hielt die Rotation nicht lang genug an, um einen Tornado zu erzeugen. Nun wissen wir was die Amerikaner mit „Panhandle Magic“ meinten.




 


12:27 Uhr 13. Mai 2018

Tag 7 – Frieren unter der Meso

Nach einer viel zu kurzen Nacht in einem Motel in North Platte, Nebraska, brachen wir bei herbstlichen Temperaturen von gerade mal 8°C unter dichtem Hochnebel auf. Zunächst waren wir uns unsicher, was unser Zielgebiet werden sollte. Wollten wir nach Süden in Richtung Texas, wo in einer schön warmen Luftmasse einzelne Gewitter entstehen sollten? Oder würden wir nach Osten in das Dreiländereck von Colorado, Wyoming und Nebraska fahren? Dort befand sich zwar die kühlere Luftmasse, aber dafür herrschte eine deutlich höhere Windscherung.

Wir entschieden uns für die zweite Variante, da wir dort letztlich das größere Potential sahen. Auch das Storm Prediction Center teilte unsere Einschätzung und gab für dieses Gebiet ein Slight Risk heraus. Im östlichen Wyoming kamen wir aus der Hochnebeldecke raus und schlagartig stieg die Temperatur auf 18°C. Sofort zeigten sich die ersten kurzlebigen Gewitterzellen in der Ferne, die über der schönen Landschaft tobten. Mitten im Nirgendwo hielten wir auf einem Rastplatz an, wo wir auch andere Chaser trafen. Unter anderem eine Gruppe Meteorologiestudenten, mit denen wir uns über die Wetterlage unterhielten. Als die ersten kräftigeren Zellen entstanden, fuhren wir ein Stück nach Norden, um sie besser zu beobachten. Als die Gewitter stärker wurden spürten wir, wie sie die kühlere Luft aus Osten ansaugten und die Temperatur um 4°C fiel. Diese kalte Luft war dann auch das Todesurteil für die Gewitter.

Bald darauf entstand eine weitere Gewitterzelle im Süden, die auf dem Radar eine starke Mesozyklone (rotierender Aufwind, kurz: Meso) zeigte und ein Hookecho ausbildete. Daraufhin ging es rasch zurück nach Süden, um in der diesigen Luft die Strukturen besser zu erkennen und nicht in den Niederschlagskern der ausscherenden Zelle zu geraten. Auf dem Weg zu einem Standort mit guter Sicht merkten wir zum ersten mal, was eine richtige „Chaserkonvergenz“ in den Plains bedeutet. Mitten im Niemandsland standen am Rand der einzigen Straße unzählige Fahrzeuge und noch mehr Menschen mit Kameras in der Hand. An unserem Standort angekommen, zeichnete sich bald eine dunkle Wolkenbasis im Dunst ab. Die Zelle kam näher und die Meso zeigte sich mit ihren Inflowbändern und es bildete sich eine Wallcloud, um die sich der Abwind an der Rückseite (RFD) wickelte. Die kalte Luft zeigte aber auch hier ihre Wirkung und die gesamte Meso löste sich bald auf. Wir fuhren noch ein Stück mit der Zelle mit und beobachteten eine weitere Mesozyklone, die sich rasch bildete und über den Bergen schön anzusehen war. Aber auch sie schwächte sich bald ab und so beendeten wir unsere Jagd. Wir übernachteten in Oakley, Nebraska bevor es heute endlich in die warme Luftmasse in der Texas Panhandle Region geht.





 


21:23 Uhr 11. Mai 2018

Tag 6 – Oh die Plains…

Langsam realisieren wir, was es bedeutet hier zu chasen:

Nach einer weiteren Nacht im Motel mit Schlafentzug und Toastbrotfrühstück brachen wir nach langer Lagebesprechung gegen 12 Uhr auf Richtung Colorado.
Ein kleiner Streifen Cumulus mauserte sich dort schnell zu einigen interessanten Zellen. Großer Hagel (um 8cm) wurde vermutet und wir verlagerten uns eilig weiter vor die Gewitter.
Zunächst relativ unerwartet schwächten sich die Zellen ab, während die dahinterliegende Zelle zu einer für uns nicht erreichbaren Superzelle entwickelte.
Mit zunächst langen Gesichtern blieben wir auf Kurs und hofften auf eine erneute Verstärkung der vorderen Zellen! Eine Strategie, die sich bewähren sollte. Bald darauf befanden wir uns in einem hitzigen Wettrennen mit einer Vielzahl an kurzlebigen Mesos und Shelflines. Immer wieder erreichte uns der eiskalte Outflow während wir nach Osten fuhren. Dabei waren wir umgeben von einer Blitzrate, wie sie noch keiner von uns je erlebt hat. Schließlich endete das Rennen in einem der Kerne der Zellen, wo die Sicht in stürmischen Böen und heftigem Niederschlag quasi auf 0 ging.

Tja und heute? Steht die nächste Lage an und das obwohl wir hier bei 8°C und Hochnebel sitzen. Oh die Plains…




 


20:21 Uhr 10. Mai 2018

Zeitraffer der Zelle bei Oakley, Kansas am 09.05.18

Ergänzend zu unserem gestrigen Beitrag von der Zelle bei Oakley in Kansas hier nun ein Zeitraffer des schönen Ungetüms. Die Rotation im Aufwind ist gut zu erkennen, außerdem sieht man die Entwicklung der Mammatuswolken, die wie riesige Beulen aus dem oberen Bereich der Wolke absinken.

 


18:59 Uhr 10. Mai 2018

Tag 5 – Level Up

Gestern durften wir erstmals erfahren, was es bedeutet, in der Tornado Alley unterwegs zu sein. Wir starteten morgens von Liberty (bei Kansas-City) nach Westen. Vorläufiges Ziel war der Nordwesten von Kansas, wo wir für Donnerstag (heute) ein erhöhtes Gewitter- und Unwetterrisiko erwarteten (das Storm Prediction Center hatte hier ein Slight Risk herausgegeben).

Der Plan die südliche Route über die Interstate 70 (und nicht über die Interstate 80) zu nehmen um „mal so nebenbei“ eventuelle Zellentwicklungen innerhalb eines Marginal Risks abzufangen, stellte sich als die beste Entscheidung des Tages heraus.
Bei Oakley, Kansas bekamen wir unsere ersten Plains-Zellen bei Tageslicht vor die Linse. Zunächst glich das Ganze einem gewöhnlichen Gewitter mit hübschen Fallstreifen, doch binnen einer halben Stunde durchlief die Multizelle eine rasante Entwicklung. Dabei bildete sich eine atemberaubene Aufwindbasis aus, die von prachtvollen Mammaten flankiert wurde – vor den offenen Weiten der Plains bot sich eine Kulisse, die wir sonst nur von Bildern kennen.

Das Besondere war zudem die geringe Zuggeschwindigkeit, die es uns erlaubte mit dem System schritt zu halten. So konnten wir uns immer wieder auf die regenfreie Vorderseite verlagern. Durch die erhöhte Niederschlagsverdunstung entwickelte sich ein markanter Outflow, in dessen Bereich wir einen Staubsturm mit Böen bis 82 km/h messen konnten.
Abgerundet wurde der bis dato bereits perfekte Tag von einer Lightshow der Extraklasse mit vielen Erdblitzen.

Aktuell befinden wir uns noch bei Oakley in Kansas und werden bald Richtung Norden ins bereits erwähnte Slight-Risk verlagern. Hier zeigen die Modelle heute zunächst hochbasige Einzelzellen und später am Abend ein weitläufiges Gewittersystem – lassen wir uns also überraschen!




 


21:57 Uhr 9. Mai 2018

Tag 4 – Die ersten Gewitter

Am gestrigen Dienstag war es endlich so weit: Bei Kansas-City gelang uns das geplante Warm-Up in der Tornado Alley. Gewiss waren die Erwartungen bei dem vom Storm Prediction Center (SPC) herausgegbenen Marginal Risk nicht groß – nach langer Wartezeit wurden wir dann am späten Abend aber mit einer ansehnlichen Blitzshow belohnt.

Nach einer recht kurzen Nacht in einem Motel in Liberty, Missouri sind wir aktuell auf dem Weg nach North Platte, Nebraska, wo wir morgen ein erhöhtes Gewitter- und Unwetterrisiko erwarten. Das Storm Prediction Center bewarnt die Situation mit einem Slight Risk. Interessant dabei ist ein auf unserem Trip erstmals erhöhtes Tornadorisiko von 5%.





 


21:22 Uhr 8. Mai 2018

Tag 2 und 3 – Kleines Warmup

Das erste Chasing in den USA! Aktuell befinden wir uns auf dem Weg Richtung Cameron, Missouri, nördlich von Kansas-City, wo wir heute hoffentlich unsere ersten Gewitter beobachten können. Das Setup ist dabei durchwachsen und lässt sich durchaus noch mit einer knackigen Lage in Deutschland vergleichen, also perfekt, um sich mit den „Chasing-Begebenheiten“ bekannt zu machen!
Unter dem Motto stand auch der gestrige Tag. So wurden noch einige kleinere Besorgungen gemacht und ansonsten die Region im Norden Arkansas erkundigt.

Kleiner „Fun-Fact“
Wir schreiben euch übrigens gerade vom Laptop. Dieser ist via WLAN mit einem kleinen „Simkarten-Router“ verbunden, den wir dabeihaben. Wichtig wird das natürlich, wenn es nachher losgeht und endlich Radar und Satellitenbilder auf dem Bildschirm flimmern!



 


19:43 Uhr 6. Mai 2018

Tag 1 – Welcome to Texas

Nach einem ruhigen Flug sind wir gut in den vereinigten Staaten angekommen.
Dank schneller Kontrollen und einer reibungslosen Übergabe unseres Mietwagens waren wir um 16:40 auf dem Weg nach Wichita Falls im Norden von Texas. Da es in den nächsten Tagen wettermäßig voraussichtlich recht ruhig bleibt, steht wohl erst einmal Sightseeing auf dem Programm. Wir behalten uns aber alle Möglichkeiten/Spontanittäten offen.
Anbei ein Paar Eindrücke von unserem Ankunftstag.





 


09:38 Uhr 5. Mai 2018

Los geht’s

Clear for take-off.


 


22:25 Uhr 4. Mai 2018

USA-Trailer 1 + 2

Bevor es losgeht möchten wir Euch nochmal unsere beiden Trailer zur anstehenden USA-Reise präsentieren.


 


18:20 Uhr 4. Mai 2018

Der Start der Reise naht


Am 5. Mai 2018 nehmen wir den Flieger Richtung Dallas/Fort Worth.


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