+++ USA-Ticker 2018 +++   (alle Uhrzeiten MESZ)

Tage 1 – 10 Tage 11 – 15
13:36 Uhr 21. Mai 2018

Tag 15

Das Ergebnis der morgendlichen Lagebesprechung des 19.5. in Salina führte uns von unserem Standort im zentralen Kansas wieder Richtung Süden. Das Tornadopotential sollte mit 5% am heutigen Tage das höchste der bisherigen Reise sein. Auch vom SPC wurde uns durch die veröffentlichten Lageeinschätzungen Mut gemacht heute wiederholt erfolgreich zu sein. Die Erwartungen an die Wetterlage wuchsen demnach auch im Team der Sturmjäger NRW.

Leider kam es bereits deutlich früher als es die Modelle berechnet hatten zur Bildung einer Superzelle mit großem Niederschlagsbereich (HP Superzelle). Keiner der uns bekannten Sturmjäger hatte seine Karten auf diese Entwicklung gesetzt. Zudem machte es uns die Zuggeschwindigkeit erstmals schwierig überhaupt an den Gewittern dran zu bleiben. Hinzu kam, dass der negative Einfluss des Systems auf den weiteren Verlauf der Gewitterlage immens war. Einzelne kurze Gewitter entstanden zwar noch in der Zielregion, doch unsere Erwartungen konnten diese bei weitem nicht erfüllen. Dies schien wohl unser erster Flop in den USA zu werden. Wir beschlossen daher uns bereits für ein paar entspannte Tage Richtung Texas zu verlagern. Dank des Eifers unseres Teams blieb uns eine Neuauslöse etwa 80 Kilometer entfernt, entlang unserer Route, nicht unentdeckt. Nach wenigen Minuten und weiteren Radarbildern war uns klar, dort hatte sich westlich von Enid in Oklahoma eine Superzelle gebildet. Wir waren sicher, in Kürze müsste es für die Zelle auch eine Tornado Warnung geben. Diese erschien tatsächlich wenige Minuten später auf den Bildern der RadarScope App. Um die Zelle noch rechtzeitig zu erreichen, reizten wir die Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Straßenverhältnisse bis aufs Äußerste aus. Um die Zelle optimal anzufahren verlief der Letzte Teil der Jagd über eine der zahlreichen „Dirt-Roads“, welche Aaron souverän passierte. Für das eingegangene Risiko wurden wir mit einem unfassbar schönen Aufwindturm, welcher sich wie ein Korkenzieher in die Höhe schraubte, belohnt. Die Rotation war erneut mit bloßem Auge erkennbar und es schlungen sich wiederholt laminare Wolkenstrukturen in den „Updraft“. Atompilzartig schoss ein weiterer Aufwind in die Höhe. Wahnsinn, welche Dynamik hinter dieser klassischen Superzelle steckte. Kurz darauf entfernte sich der Aufwindbereich vom Niederschlagsbereich, was den Sterbeprozess des Gewitters einleitete. Im Licht der untergehenden Sonne genossen wir die letzten Minuten einer so schönen Gewitterzelle. Somit hatten wir noch ein versöhnliches und erneut beeindruckendes Ende eines ansonsten eher enttäuschenden Gewittertages in den Great Plains.










 


11:07 Uhr 21. Mai 2018

Tag 14

Am 18.5. starteten wir unseren Chase in McCook, Kansas, wo wir in der vorhergehenden Nacht lange nach einer Unterkunft suchen mussten. Leider verschliefen wir dann nicht nur ein Gewittersystem (MCS), welches in der Nacht vorbeizog, sondern auch das Frühstück. Fast schon Alltag, wenn man oft bis weit in die Nacht hinein unterwegs ist. Für unsere Jagd nach Gewittern fuhren wir die Region um Garden City an. Dort erwarteten wir die höchste Wahrscheinlichkeit für unwetterartige Entwicklungen. Schon sehr zeitnah entwickelten sich über dem Norden von Oklahoma eine Reihe von Gewittern welche sich unserem Standort zügig näherten. Leider blieb uns heute nur die Chance, die Gewitter von der Rückseite anzufahren. Glücklicherweise entstanden auch an diesem Tag die Aufwindbereiche immer wieder auf der Rückseite der Gewittercluster, was uns den Blick auf die spannenden Bereiche der Gewitter ermöglichte. Leider führt dieses Verhalten selten zu langlebigen Gewittern mit denen wir in Teilen am heutigen Tage gerechnet hatten. Belohnt wurden wir trotzdem mit wunderschönen Mammaten, welche besonders unserem Teammitglied Daniel Freude bereiteten (Es sind seine Lieblingswolken). Als wir uns aufmachten, um uns nach Norden zu verlagern, bemerkten wir zu unserer Überraschung noch einen Funnel, der sich aus dem Updraft einer nahegelegenen Gewitterzelle schlängelte. Unser Soll war mit diesem kurzen, aber tollen Erlebnis wieder mal erfüllt. Am Abend versuchten wir im Hinblick auf die Folgetage Richtung Salina in Kansas zu fahren und auf dem Weg dorthin noch ein starkes Gewittersystem mit heftigen Windböen abzupassen (Bow Echo). Leider schwächte sich das Gewitter kurz vor unserem Standort massiv ab, ein Gefühl was wir nur zu gut aus der Heimat kannten.













 


11:52 Uhr 19. Mai 2018

Tag 13 – Flopp! Achne, doch nicht

Nach unserer langen Verlagerungsfahrt von Amarillo, Texas nach Sterling, Colorado am Mittwoch, war gestern erstmal ausschlafen angesagt. Mit einem ausgiebigen typisch amerikanischen Brunch stärkten wir uns und saßen gegen 13 Uhr wieder in unserem Ford Edge. Die „Battle Zone“ in Form eines Slight Risks lag diesmal im 3-Staateneck von Nebraska, Colorado und Kansas. Wir fuhren ein Stückchen nach Norden und brachten uns bei Sidney, Nebraska in Stellung. Nun war Warten angesagt – langes langes Warten … Warten beim Chase kann zermürbend sein, besonders dann, wenn man merkt, dass die atmosphärischen Parameter nicht den Erwartungen bzw. Vorhersagen entsprechen. Im gestrigen Fall war es die recht niedrige bodennahe Feuchte, die unsere Hoffnung auf Unwetter peu à peu schwinden ließ. In Zahlen: Der vorhergesagte Taupunkt lag bei rund 15 Grad, der gemessene bei rund 13; Und zwei Grad Taupunktsunterschied können viel ausmachen, wenn es um die potentielle Energie von Gewittern geht.
Plötzlich war es 18 Uhr und bis auf leichten Regen mit einigen Blitzen westlich von uns passierte nichts. Das ganze Erinnerte bisweilen an so manches legendäres Belgien-Chase bei dem wir 100te km für 2 Blitze abgespult hatten.
Den Flopp vor Augen gaben wir dem unfotogenen Kram noch 30 Minuten sich zu entwickeln – die beste Entscheidung des Tages. Denn plötzlich erfuhr der „Kram“ einen „Push“, als der mächtiger werdende Coldpool (Stichwort Niederschlagsverdunstung) begann mit der vertikalen Windscherung wechselzuwirken. Folglich begann sich das System linear zu organisieren und bildete eine sehr ansehnliche Shelfcloud aus. Trotz des linearen Charakters schafften wir es uns 2 Mal vor die Linie zu setzen – wir waren die Gejagten. Die Verfolgungsjagd der besonderen Art endete am Lake McConaughy in Südnebraska, wo wir uns von der Shelfcloud des sich mittlerweile zu einem Bowecho gemauserten Systems überrollen ließen. Einmal mehr wurde unser nunmehr sehr erfolgreiches Chase von einer hochfrequentigen Blitzshow abgerundet.

Die Geduld hatte sich bezahlt gemacht!
Lieber eine halbe Stunde länger Warten und den Gewittern Zeit geben – das war die Lehre, die wir aus diesem Chase ziehen konnten.

Die heutigen Gewitter bereits im Hinterkopf, verlagerten wir noch am Abend nach Süden und übernachteten bei McCook im äußersten Süden von Nebraska. In den kommenden Tagen steigt das Unwetterrisiko in den Plains nochmal an – wir sind gespannt.




 


21:33 Uhr 17. Mai 2018

Tag 11 und 12 – Still on fire

Was macht man mit seinem Tag, wenn man am Vortag 3 Tornados gesehen hat?

Vor dieser Frage standen wir vorgestern! Nachts hatten wir uns eigentlich noch fest vorgenommen, den Tag ruhig anzugehen und uns nach einer Woche Dauerchasen und den unglaublichen Erlebnissen mal wieder etwas zu sortieren (Wäsche waschen, Auto herrichten etc.).

Als das SPC dann morgens doch ein flächiges „Slight Risk“ ausrief, war die Entscheidung jedoch schnell gefällt: „Still on fire after our first Tornado!“

Eilig wurden die nötigsten Besorgungen erledigt und gegen 12 waren wir wieder voller Tatendrang auf der Straße.

Wir nahmen ein gutes Stück Fahrt auf uns und fuhren bis ins südliche Texas Panhandle, wo wir mit zwei gut organisierten Zellen belohnt wurden!

Früh fiel uns bei dem kräftigeren der beiden Gewittersysteme der heftige Outflow auf, welcher große Mengen an Staub aufwirbelte. Wegen der bereits fortgeschritten Tageszeit und dem Interesse an der Intensität des Gewitters entschieden wir, uns überrollen zu lassen. Auf den weiten und freien Feldern konnten wir spüren, wie der Wind eindrucksvoll an unserem Auto zerrte. 126 km/h zeigte unser Windmesser – voller Orkan, ein Gewitter, das in Deutschland nicht ohne Folgen gewesen wäre!

Gestern machten wir dann tatsächlich eine Chasepause, da uns der Blick in die Wetterkarten Richtung Norden treibt. Dort entstehen die nächsten Tage immer wieder interessante Overlaps aus Instabilität und Dynamik, wir sind gespannt!





 


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